Anders im Unterschied zum Vorgängeralbum "The Path Of The Clouds" sei bei "New Radiations" höchstens der Verzicht auf prominente Mitstreiter, die ansonsten bei Mercury Rev, Midlake, Cocteau Twins, Earth oder Bonnie Prince Billy eingespannt sind. Marissa Nadler wollte weniger Opulenz wagen und stattdessen sich selbst und ihre eigene Gitarre in den Fokus rücken, verrät sie im Presseinfo des Schallplattenlabels.
Alles andere wie gehabt. Die Themen, die der Amerikanerin am Herzen liegen, sind solche, die eigentlich lauthals hinausgeschrien gehören. Sie indes bevorzugt eine konspirative Beobachterrolle. Gewöhnlich fließen ihre Songs gedankenversunken dahin und verbergen höchstens notdürftig, worum es geht. "Hatchet Man" berichtet im Stil alter Countryballaden von einem Femizid. Gloriosere Frauenschicksale verhandeln "It Hits Harder" beziehungsweise "Weightless Above The Water". Das eine nimmt Bezug auf die amerikanische Luftpionierin Geraldine Mock, das andere gewidmet der sowjetischen Kosmonautin Valentina Tereshkova und ersten Raumfahrerin in der Schwerelosigkeit des Weltalls.
"To Be The Moon King" erinnert an den lange verkannten amerikanischen Raumfahrtvisionär Robert Goddard und steht ähnlich "Sad Satellite" im Zusammenhang mit Marissa Nadlers Faszination für alles Außerirdische. Hinter der charmanten Melodie von "Bad Dreams Summertime" verbirgt sich eine unheilvolle Dystopie, die ins Bewusstsein rufen soll, dass wir gegenwärtig in üblen Zeiten leben.
Faszinierende Songkunst! Etwas anderes war ohnehin nicht zu erwarten. Marissa Nadlers einsame Klasse verriet spätestens ihre Coversongkollektion "Instead Of Dreaming". Zwischen Bob Dylans "I Was Young When I Left Home", Townes Van Zandts "My Proud Mountains" und Metallicas "Nothing Else Matters", findet sich eine grandiose Neufassung von King Crimsons "Moon Child".
Bernd Gürtler/TM
Marissa Nadler
"New Radiations"
(Bella Union; 22.8.25)
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