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Jaimie Branch: Dem Jazz den Marsch geblasen

 

“Some people are born musicians and I am one of those”, ließ Jaimie Branch im Herbst 2018 am Rande eines Auftritts beim Jazzfest Berlin gegenüber der Onlineplattform KaputMag.com verlauten. Biographische Details, soweit verifizierbar, geben kaum Anlass die beherzte Selbsteinschätzung in Zweifel zu ziehen. Ihre Musikbegeisterung ist geweckt, als die Mutter ihr Joni Mitchells "The Circle Game" vorsingt. Die Textzeile "We're captive on the carousel of time/We can't return we can only look behind" findet sie schon als Dreikäsehoch faszinierend und erwählt sie später gewissermaßen zum Künstlercredo.

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SWR2 Musikpassagen

Alejandro Escovedo: Amerika, wo bist du

 

Migrantenschicksale verhandelt Alejandro Escovedo nicht das erste Mal. Sein jüngstes Album "The Crossing" jedoch sei seine bislang mutigste Wortmeldung zum Thema, sagt der Sohn mexikanischer Einwanderer, geboren 1951 in San Antonio, Texas. Beherzt geht er der Frage nach, wo es abgeblieben ist, das Amerika, das Freiheit und Chancengleichheit  verspricht. Die Bilanz fällt durchwachsen aus, wie sich denken lässt. Seit 2016 das Amt des US-Präsidenten neu besetzt wurde, tendieren die Vereinigten Staaten in eine Richtung, die kaum von Vorteil ist. Nichtsdestotrotz grandios die Musik und erst recht, wie seine Erzählung angelegt ist.

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Living Country Blues U.S.A.

Axel Küstner und seine Field Recordings

 

Kennst du Axel Küstner? Wer das Mississippi Delta auf den Spuren des Blues bereist und sich als Besucher aus Deutschland zu erkennen gibt, bekommt von Einheimischen mit ähnlicher Musikvorliebe sehr wahrscheinlich diese Frage gestellt. Besonders überraschend wäre es nicht, könnte man keinen positiven Bescheid geben. Zu abwegig die Vorstellung, dass ein Deutscher in Amerikas Blueszirkeln derartiges Ansehen genießt. Sicher, wir wissen von Horst Lippmann und Fritz Rau, den Veranstaltern des American Folk Blues Festivals. Aber außer den beiden, die selbstverständlich echte Legenden sind, sollte es noch jemanden geben?

Doch, gibt es! Zum Blues fand Axel Küstner durch britische Rockbands wie die Rolling Stones, die Yardbirds oder Eric Clapton, die sich stark am Sound schwarzer Bluesoriginale orientieren und ihr Repertoire durch entsprechende Coverversionen aufstocken. Eine Schallplattenbeilage der westdeutschen Jugendzeitschrift Twen sowie das von Columbia Records edierte Doppelalbum "The Story Of The Blues", verschaffen ihm seine erste Begegnung mit dem schwarzen Blues.

Sein erstes Konzert mit schwarzen Bluesmusikanten, findet im März 1972 im Rahmen des American Folk Blues Festivals in Bremen statt. Das, was sich direkt im Anschluss ereignet, legt den Grundstein zu seinen Field Recordings. Axel Küstner, damals sechzehn Jahre alt, hat das tragbare Uher-Spulentonbandgerät seines Vaters ausgeliehen und bereits das gesamte dreistündige Bühnenprogramm aus dem Publikum heraus mitgeschnitten, als er nach der Show die Künstler Backstage besucht und Big Joe Williams sich sein Mikrofon greift, um aus dem Stehgreif Blind Lemon Jeffersons "See That My Grave Is Kept Kleen" zum Besten zu geben!

Sechs Jahre später nimmt sich Axel Küstner ein halbes Jahr Urlaub von seinem Job bei der Post und bereist erstmals selbst die amerikanischen Südstaaten. Mehrere Wochen genießt er die Gastfreundschaft von Big Joe Williams in Crawford, Mississippi. Gegen Abend, wenn die subtropische Hitze nachlässt, gibt der damals schon betagte Bluesveteran Privatkonzerte zur Akustikgitarre. Wieder hat Axel Küstner sein tragbares Tonbandgerät dabei.

Zurück in Deutschland, erscheinen die Aufnahmen bei Ornament Records, dem Schallplattenlabel von Ziggy Christmann, der sich 1980 zu einem gemeinsamen Fieldtrip überreden lässt. Von New York aus führt die Reise über zweieinhalb Monate und mehr als zehntausend Meilen zu Guitar Frank in Delaware, zu Bowling Green John & Phil Wiggins in Virginia, zu Flora Molton und Archie Edwards in Washington D.C., zu Guitar Frank in Greensboro, North Carolina, zu Lottie Murell in Somerville, Tennessee, zu Hammie Nixon in Brownsville, Tennessee, zu Piano Red in Memphis, zu Arzu Youngblood und Boogie Bill Web in New Orleans, und im Mississippi Delta treffen sie auf Sam Chatmon, James Son Thomas, Eddie Cusie, Othar Turner, CeDell Davis, Lonnie Pitchford, Napoleon Strickland und Walter Brown.

Das Material ist von solch überragender Qualität, dass Horst Lippmann und Fritz Rau auf ihrem eigenen Schallplattenlabel L+R Records eine Auswahl veröffentlichen. Das 12LP-Boxset unter dem Titel "Living Country Blues U.S.A.", begleitet von einem Booklet mit Axel Küstners journalistischen Texten und Fotografien, umfasst mehr als einhundertsechzig Stücke. 2008 erscheint die erste und vorerst einzige CD-Edition. Bis heute gehören die Aufnahmen zu den besten Field Recordings der Bluesgeschichte! Bislang unveröffentlichte Field Recordings stellte Axel Küstner 2018 in der US-Radioshow Big Road Blues vor.
Bernd Gürtler/TM

Axel Küstner zu Gast bei Big Road Blues:
Part One
Part Two
Part Three
Part Four
Living Country Blues U.S.A.-The Introduction