Ein schlechter LSD-Trip wirft Syd Barrett derart aus der Bahn, dass er, dem Pink Floyd Songperlen wie "Arnold Layne", "See Emily Play" oder "The Scarecrow" verdanken, zur Gefahr für die Band wird und irgendwann auf dem Weg zum nächsten Auftritt erst gar nicht mehr abgeholt wird. Eventuell soll er ähnlich Brian Wilson von den Beach Boys Bandmitglied bleiben und Songs schreiben, aber der Gedanke wird schnell verworfen. Roger Waters, David Gilmour und Rick Wright verwenden sich noch als Produzenten der einzigen beiden regulären Soloalben "Barrett" beziehungsweise "The Madcap Laughs", dann taucht Syd Barrett ab in seine eigene Welt.
Bis auf dieses eine Mal, als Pink Floyd mit "Wish You Were Here" beschäftigt sind. Gegenüber der US-Radioshow The Source erinnert sich Rick Wright 1984, wie er eines Tages ins Studio kam, Roger Waters am Mischpult saß und hinter ihm ein übergewichtiger, glatzköpfiger Mann der aufstand, sich die Zähne putzte und wieder hinsetzte. "Ich fragte Roger: 'Wer ist das?' Und er: 'Weiß nicht.' Darauf ich: 'Er scheint doch aber ein Bekannter von dir zu sein', und er: 'Nein, weiß nicht, wer das ist.' Es dauerte eine Weile, dann erkannte ich, es war Syd. Er kam vorbei, gerade als wir am Gesang von 'Shine On You Crazy Diamond' arbeiteten. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund schaute er genau an dem Tag rein, als wir mit einem Song über ihn beschäftigt gewesen sind. Unfassbar und auch ein bisschen unheimlich." Textpassagen aus "Shine On You Crazy Diamond" lautet "Now there's a look in your eyes/Like black holes in the sky" oder "You were caught in the crossfire of childhood and stardom/Blown on the steel breeze/Come on, you target for faraway laughter/Come on, you stranger, you legend, you martyr, and shine".
Mehr als eintausend Nachauflagen hat "Wish You Were Here" Stand 2025 bislang erlebt, anlässlich des fünfzigsten Veröffentlichungsjubiläums kommt eine weitere hinzu, erweitert um fünfundzwanzig Bonustracks, bestehend aus neun Studioraritäten und sechzehn Liveaufnahmen 1975 aus der Los Angeles Sports Arena. Das Livematerial sorgfältig restauriert und remastert von Steven Wilson. Die Blu-ray-Edition bietet zusätzlich drei Konzertfilme der Tour 1975 sowie einen Kurzfilm von Storm Thorgerson.
Die 3LP- und 2CD-Formate enthalten das Originalalbum und die neun Studio-Bonustracks. Das Deluxe-Box-Set umfasst alle Inhalte von 2CD, 3LP und Blu-ray sowie eine vierte Vinyl-LP mit einem Konzertmitschnitt aus dem Londoner Wembley Stadion, eine Nachbildung der japanischen 7"-Single "Have A Cigar"/"Welcome To The Machine", ein Hardcover-Buch mit unveröffentlichten Fotos, ein Comic-Tourprogramm und ein Knebworth-Konzertposter. Exklusive Jubiläumsartikel sowie limitierte Produktveröffentlichungen sind auf PinkFloyd.com erhältlich.
Bereits im Sommer war eine Neuedition von "Live At Pompeii" unter dem Titel "Pink Floyd At Pompeii – MCMLXXII" erschienen. Auf Basis des lange verschollen geglaubten Originalfilmmaterials wurde der Konzertstreifen digital restauriert, zum Vorteil der Bildqualität. Film und Soundtrack sind jetzt auch getrennt voneinander verfügbar gemacht, bei keiner anderen Neuedition ist das bislang der Fall gewesen.
Bernd Gürtler/TM
Pink Floyd
"Wish You Were Here 50"
(Sony; 12.12.25 3LP, 2CD, Blu-ray, digital, Deluxe-Box-Set)
Pink Floyd
"At Pompeii – MCMLXXII"
(Sony/Legacy; 2.5.25 Blu-ray, DVD, 2CD, 2LP)
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