"Assikel" ist Tamikrests siebte Albumeinspielung seit Bandgründung Mitte der Nullerjahre durch die beiden Schulfreunde Ousmane Ag Mossa und Cheick Ag Tiglia aus Tinzawaten, einer Kommune im Grenzgebiet zwischen Mali und Algerien. Der Albumtitel bedeutet in der Sprache der Tuareg so viel wie Voyage oder Journey und meint die zurückgelegte Wegstrecke entlang der Bandgeschichte und den Reifeprozess, der damit einhergeht. Lässt sich aber auch lesen als Hinweis auf das, was die Tuareg noch vor sich haben.
Al-Qaida nahestehende Rebellenkontingente kämpfen im nördlichen Mali für einen eigenständigen Staat namens Azawad. Regelmäßig schickt die Regierung das Militär, um die Autonomiebestrebungen niederzuschlagen, 2013 unterstützt durch die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, später im Bund mit Moskaus Wagner-Gruppe. Zum Showdown kam es im Sommer 2024, als Regierungstruppen und Wagner-Söldner unweit von Tamikrests Herkunftsort Tinzawaten in einen Hinterhalt der Rebellen geraten.
Laut englischer Songtextübersetzungen sympathisieren Tamikrest mit keinem der militärischen Lager, ihr Mitgefühl gilt der Bevölkerung, den Menschen, die sich zwischen den Fronten zerrieben wiederfinden. Einmal mehr handeln die auf "Assikel" versammelten Songs von Trauer und Verlust, von der Hoffnung, dass sie sich vielleicht doch noch zeigt, die mythische Oase Gewas, in der Kultur der Tuareg eine Metapher für die Sehnsucht nach einem Gegenentwurf zur unbarmherzigen Wirklichkeit.
Bernd Gürtler/TM
Tamikrest
"Assikel"
(Glitterbeat; 15.5.26)
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