|   Rezension

Taj Mahal

Time

(Thirty Tigers/Concord)

Wenn es hier schwer nach New Orleans klingt, der Crescent City am Golf von Mexiko, bekannt auch als The Big Easy, mag das daran liegen, dass Taj Mahal noch nie die Ansicht vertrat, Blues sei rein Ausdruck von Kummer und Sorgen. Seine Bluesalben kommen zumeist heiter daher, eingeschlossen "Time".

Die synkopenreichen Second Line Beats und Blechbläsersätze im Eröffnungssong "Life Of Love" verweisen direkt auf New Orleans. Erst recht der Songtext, wenn es heißt "We used to come together/On Sunday evening on street corners/Serenade African Black and French Creole/Delta Blues and Caribbean Soul/Different folks/With different names". Das gute Leben und Miteinander der Kulturen ist, wenn nichts dazwischenkommt, möglich im einstigen Außenposten der Franzosen am Mündungsdelta des Mississippi River.

"Wild About My Lovin’" bekommt einen Reggae-Rhythmus verpasst, der in "Talkin' Blues" von vornherein angelegt war, weil eine Coverversion aus dem Songkatalog von Bob Marley. "You Put The Whammy On Me" wird ins Afrokubanische gedreht. Und während "Crazy About A Jukebox" durch Namensnennungen oder Songerwähnungen Vorreiterkollegen feiert wie Koko Taylor, Jerry Lee Lewis, Fats Domino, Buddy Holly oder Ben E. King, erinnert "Sweet Lorene" flüchtig an Soulmeister Wilson Picketts "Mustang Sally". Der Titelsong stammt aus dem Nachlass des 2020 verstorbenen Bill Withers.

"Time" bringt Freude ins Haus, wirklich eine Schande, dass beinahe zwei Jahrzehnte bis zur Veröffentlichung ins Land gehen mussten. Eingespielt wurde bereits 2010 in Los Angeles mit der Phantom Blues Band, die auch schon bei "Señor Blues" sowie "Shoutin' In Key" zur Seite stand.
Bernd Gürtler/TM 


Taj Mahal
"Time"
(Thirty Tigers/Concord; 01.05.26)


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