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Selbstauskunft: "Emerson Lake & Palmer" erzählt die Geschichte des prominenten britischen Progressiverocktrios in eigenen Worten

"Emerson, Lake, and Palmer to Reunite for Upcoming Tour", titelte das US-Musikmagazin Rolling Stone im Herbst 2021 auf seiner Website und kam noch in der Überschrift selbst ins Grübeln. "Wait … What?" Eben, zwei Bandmitglieder sind schon nicht mehr unter den Lebenden. Wie könnte das prominente britische Progressiverocktrio wiedervereint eine Konzerttournee bestreiten? Des Rätsels Lösung ging aus dem nachfolgenden Text hervor. Ganz ähnlich funktioniert die Bandgeschichte in eigenen Worten.

Foto: Getty Images
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Obwohl nur zu dritt, sind Emerson Lake & Palmer diejenige Progressiverockformation, die den Kritikervorwurf, sie fröne unnützerweise dem Bombast, am redlichsten erwarb. Klotzen nicht kleckern lautete ihre Devise, und jeder der drei trug das seinige bei. Carl Palmer mit seinem ausufernden Schlagzeug und ambitionierten Schlagzeugsoli. Bassist, Gitarrist und Sänger Gregg Lake mit Songtexten von Rittern, die bereitwillig für König und Vaterland auf dem Schlachtfeld ihr Leben geben, von Fabelwesen, halb Gürteltier, halb Kampfpanzer.

Keith Emerson als dritter im Bunde brachte eine verwegene Keyboardperformance auf die Bühne, malträtierte seine Hammond Orgel mit Messern, wälzte sich mit seinem Instrument auf dem Bühnenboden, turnte darauf herum, erzeugte Feedbacks wie Jimi Hendrix auf der Gitarre. Als einer der ersten brachte er einen Moog Synthesizer live zum Einsatz. Ein mächtiggewaltiges, schwer handhabbares Modular-Modell wohlgemerkt, später auch den Mini Moog, den polyphonen Moog Apollo oder einen Taurus Bass Synthesizer; wie nur wenige verstand er es, den Instrumenten individuelle Klänge zu entlocken.

Und immer wieder Anleihen bei Klassikwerken von Béla Bartók, Johann Sebastian Bach, Modest Mussorgsky oder Aaron Copland.

Ihre kreativste Zeit erleben sie während der ersten Hälfte der siebziger Jahre mit den Alben "Emerson Lake & Palmer", "Tarkus", "Pictures At An Exhibition", "Triology" beziehungsweise "Brain Salad Surgery".

Zu Ruhm und Reichtum gekommen, verliert die Band den Bezug zur Realität und bricht auseinander. Zwar sind mehrere Wiedervereinigungen und drei weitere Studioalbumeinspielungen verzeichnet, aber das Wesentliche ist gesagt. 2016 sterben Keith Emerson und Gregg Lake im Abstand weniger Monate.

Dass "Emerson Lake & Palmer" (Hannibal) dennoch die Bandgeschichte in eigenen Worten erzählen kann, verdankt sich dem Umstand, dass im beträchtlichen Umfang Keith Emersons Autobiographie "Pictures Of An Exhibitionist" sowie teils unveröffentlichte Interviews mit Gregg Lake und Carl Palmer Verwendung fanden. Das Material so aufbereitet, dass sich ein stringenter Erzählfaden in vermeintlich wörtliche Rede ergibt.

Journalistisch mag das vielleicht nicht ganz korrekt sein, aber darum ging es gar nicht. Sondern darum, dass die gesamte Band in einer Buchpublikation vereint ist, reich bebildert, schön aufgemacht mit dem blauen Stoffeinband und silbernen Prägedruck. Ein sogenanntes Coffee Table Book wird mit "Emerson Lake & Palmer" vorgelegt, gedacht auch als Promotiontool. Eine weitere, zumindest Quasireunion steht nämlich tatsächlich ins Haus. Carl Palmer, einziges noch lebendes Kernmitglied, wird unter der Überschrift "Carl Palmer's ELP Legacy" auf Tour gehen und zu bislang unveröffentlichten Konzertfilmsequenzen, aufgezeichnet 1992 in der Londoner Royal Albert Hall, trommeln.
Bernd Gürtler SAX 2/22

Video/Audio
"Tarkus"

 

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