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Nachschlag! John Densmore, ehemals Schlagzeuger der Doors, ist mit "Music Lovers" ein drittes Mal unter die Buchautoren gegangen

Berauschend sind die Kritiken zu Oliver Stones Biopic "The Doors" seinerzeit nicht gewesen. Dennoch konnte der Film einem breiten Publikum markante Eckpunkte der Bandgeschichte nahebringen. Zum Beispiel dass Jim Morrison, später Sänger und Hauptsongtextschreiber der Doors, als Kind in der Wüste von Arizona Augenzeuge eines tragischen Verkehrsunfalls wurde und bei der Gelegenheit die Seele eines sterbenden Indianers in ihn gefahren sein soll. John Densmores "Music Lovers" (Hannibal) ruft einem die Episode unweigerlich ins Bewusstsein.

Foto: Paul Ferrara

Jim Morrison war ein begnadeter Ausnahmekünstler, gar keine Frage. Man muss sich bloß die sechs regulären Studioalben der Doors mit ihm anhören und dagegenhalten die beiden nach seinem Tod 1971 postum veröffentlichten Scheiben ohne seinem Beitrag. Ein himmelweiter Unterschied! Aber zu dem Jim Morrison, den seine weltweite Fangemeinde bis heute abgöttisch verehrt, konnte er nur dank seiner Mitstreiter Ray Manzarek, Robby Krieger und eben John Densmore am Schlagzeug werden. Zumindest er teilte Jim Morrisons Hang zum Spirituellen, geht aus "Music Lovers" hervor.

Im ungewöhnlich ausführlichen Vorwort webt John Densmore einen roten Faden von Georges Gurdjieff zu Peter Gabriel und Sting bis zu sich selbst. Seine Quintessenz lautet, dass des Musikers wichtigste Eigenschaft Demut ist, und mit dieser Demut berichtet er von Begegnungen, die für ihn als kreativen Menschen prägend gewesen sind. Er beginnt bei seiner Mutter, einer leidenschaftlichen Hobbymalerin, erwähnt einen Lehrer an der High School und sein großes Schlagzeugidol Elvin Jones. Sodann widmet er sich Rockprominenz wie Janis Joplin, Lou Reed, Patti Smith, Paul Simon oder Bob Marley. Jedoch nicht um sich aus lauter Eitelkeit in deren Glanz zu sonnen, nicht um peinliche private Details preiszugeben, sondern in Dankbarkeit, ihnen begegnet zu sein.

Eine Reihe wahrhaft erleuchteter Persönlichkeiten wurden ebenfalls bedacht, erstaunlich auch die Fähigkeit, persönliche Erinnerungen mit präzisen Gesellschaftsbeschreibungen der Gegenwart zu verknüpfen. Vermutlich sind seine Einlassungen samt und sonders Überhänge aus seinen beiden Vorgängerbüchern "Riders On The Storm – My Life With Jim Morrison And The Doors" sowie "The Doors Unhinged – Jim Morrison's Legacy Goes On Trial"; teilweise zitiert er daraus. Aber macht nichts, die knapp zweihundert Buchseiten ergeben eine kurzweilige Lektüre, sind gewissermaßen der Nachschlag auf die mittlerweile beachtlichen Bücherbestände zu den Doors.

Immerhin liegen sowohl von Ray Manzarek als auch Robby Krieger inzwischen ebenfalls autobiographische Schriften vor. Nicht zu vergessen Danny Sugerman, ehemals Manager der Doors, der ausgiebig publiziert hat. Oder die illustrierten Bandbiographien, die illustrierten Banddiskographien, Songtextsammlungen, Interviewsammlungen sowie Abhandlungen von Rainer Moddemann und Greil Marcus. Dazwischen füllt "Music Lovers" zweifellos eine Lücke.
Bernd Gürtler SAX 11/21
 

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