|   Rezension

Wreckless Eric

England Screaming

(Tapete)

Sind das eingeschlagene Fensterscheiben an einem reichlich heruntergekommenen Plattenbau, der, umzingelt von Bauzäunen, auf seinen Abriss wartet? Überaus passend das Frontcovermotiv zu Wreckless Erics "England Screaming" jedenfalls.

Vorbei die besseren Zeiten, wie im Videoclip zum eröffnenden "Lifeline" rekapituliert anhand idyllischer Postkartenmotive von Eastbourne, Wreckless Erics Badeort seiner Jugend an der südenglischen Ärmelkanalküste. Geschrieben sind die Songs nicht erst gestern, sondern zu Beginn der achtziger Jahre in Chatham, einer massiv vom Strukturwandel betroffenen Hafenstadt knapp anderthalb Autostunden nordöstlich von Eastbourne, wohin es Wreckless Eric nach der Erfolgssingle "Whole Wide World" verschlagen hatte.

Verfügbar gemacht war das Material auch schon, unter dem Titel "A Room Full Of Monkeys", einem Album, das keinem rechte Freude bereiten wollte, weder dem Publikum, noch dem Schallplattenlabel Go Disc! oder gar Wreckless Eric selbst. Nachdem 2024 aus seinem amerikanischen Exil in den Catskill Mountains Upstate New York nach Großbritannien zurückgekehrt, wurden Neueinspielungen der alten Songs ins Auge gefasst, "just to see if I could, and to lay to rest the ghastliness surrounding the original release", wie es auf Wreckless Erics Website heißt.

Bis auf das Schlagzeug, das Musikerfreund Sam Shepherd übernahm, spielt er sämtliche Instrumente selbst, Lebensgefährtin Amy Rigby steuert Piano und Backingvocals bei. Und siehe da, über dreißig Jahre später unverändert aktuell das, was ihn seinerzeit in Chatham beschäftigt hat, nämlich "drugs, home ownership, bankruptcy, bridal wear", die Umtriebe der lieben Nachbarn auf ihren Gartenparzellen hinterm Haus oder sein Gelegenheitsjob in einer "Food Factory".
Bernd Gürtler/TM


Wreckless Eric
"England Screaming"
(Tapete; 21.11.25)


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