Gelegentlich wirken ihre Songtexteinlassungen wie ausgemachter Nonsens. "When I was a child I wanted to be a horse, eating onions, carrots, celery" heißt es beispielsweise auf "Secret Love", an anderer Stelle ist von "Alien offshoot mushroom, going the gym to get slim" die Rede. Dem Vernehmen nach fügt Florence Shaw mitunter Social-Media-Kommentare, Werbespotfragmente oder aufgeschnappte Gesprächsfetzen zu patchworkartigen Kollagen, ähnlich einer Variante der Pop Art, die sich unterschiedlicher Materialien und zufälliger Fundstücke bedient. Als Tochter eines britischen Künstlerehepaars und Absolventin des Camberwell College Of Arts weiß sie sicherlich um die Tradition.
Aber dann lautet die Schlusszeile von "Cruise Ship Designer" wiederum "I make sure there are hidden messages in my work", was auch nicht ganz aus der Luft gegriffen scheint, handelt der Rest des Stücks doch von einem, der mit Designentwürfen zu einer der unnützesten Sachen der Welt prahlt. Wer braucht Kreuzfahrtschiffe, mal ehrlich!?
Die Eröffnungszeilen aus "Hit My Head All Day", die da lauten "Life, a series of memorials and signals telling us this or that/Telling us this or this, think of that/The objects outside the head control the mind/To arrange them is to control people's thinking", könnten der Informationsflut gewidmet sein, die tagtäglich auf uns niederprasselt und kaum Raum zum Nachdenken lässt, sehr zur Freude derer, die die Programmierung der Algorithmen verantworten. "Everything has a home in my house/But I don’t like to clean, I find cleaning demeaning/But that’s kind of a problem of mine", Textzeilen aus "My Soul/Half Pint", könnten feministische Ideen und weibliches Beharren auf Selbstbestimmtheit transportieren. Die damit einhergehende Einsamkeit formuliert eventuell "Let Me Grow And You'll See The Fruit" in der Passage "People move away from me/I constantly think there are spiders on me and around me".
Dass einem der wie beiläufig vorgetragene Sprechgesang über eine Albumlänge hinweg niemals langweilig wird, dafür sorgen Lewis Maynard, Tom Dowse und Nick Buxton an Bass, Gitarre und Schlagwerk. Der Klangrahmen, den die drei für Florence Shaws Stimme zaubern, wirkt inzwischen noch um einiges raffinierter als bei den beiden Vorgängeralben "New Long Leg" und "Stumpwork". Sehr wahrscheinlich, dass es inspirierend war, bei Jeff Tweedy in Chicago vorbeizuschauen und dessen Tonstudio The Loft für Zwischenarbeitsschritte zu nutzen beziehungsweise Cate Le Bon als Produzentin zu engagieren.
Bernd Gürtler/TM
Dry Cleaning
"Secret Love"
(4AD/Beggars; 9.1.26)
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