|   Rezension

Bobby Conn

Bobby's Place

(Tapete)

Manchen gilt Bobby Conn als Chicagos Antwort auf David Bowie, andere erkennen in dem achtundfünfzigjährigen Amerikaner die personifizierte Narrenkappe des Alternative Rock, einen ausgemachten Schelm, allzeit zum Scherzen aufgelegt. Womöglich trifft beides zu.

Seine Populärmusiksozialisation erlebt Bobby Conn im Zeichen des Hardcorepunk, prominent vertreten unter anderem durch Gregg Ginns Black Flag und strikt "integrity based", wie Bobby Conn gegenüber dem Webmagazin Freq formuliert. Später sollte sich zeigen, dass es auch bei den Punkrockern nicht weit her war mit der Glaubwürdigkeit, der Redlichkeit, der Authentizität, so dass er es ebenso gut mit damals angesagten Mainstreamern wie Rush oder Styx halten und deren als "fucking foolish" empfundenes Gehabe ins Absurde überdrehen konnte.

Leider bleibt der parodistische Ansatz zunächst unerkannt, frühe Albumveröffentlichungen erscheinen bei Thrill Jockey, dem Schallplattenlabel, bei dem auch Tortoise, die Erfinder des intellektuell anspruchsvollen, zur zeitgenössischen Neuen Musik tendierenden Post Rock verlegt werden.

Inzwischen dürfte klargestellt sein, woher der Wind weht. Sein "Bobby's Place" unterteilt Bobby Conn, angelehnt ans Vinylformat, in "Side One" und "Side A", lässt für jede Seite jeweils verschiedene Cover entwerfen und alterniert munter zwischen Improvisationsrock im Stil von Pink Floyds "Interstellar Overdrive", Suicides Elektropunk, eleganter Lounge Music, Sixtiesbeat und Referenzen an David Bowie, Roxy Music oder New York Dolls. Also doch sowohl als auch, ein Glam Rocker und amüsanter Spaßvogel, vom Bühnenoutfit her übrigens auch. Sehr unterhaltsam und manchmal bitterböse.
Bernd Gürtler/TM


Bobby Conn
"Bobby's Place"
(Tapete; 22.08.25)


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