Kreativer Erfindergeist und politischer Aktivismus sind dem Sohn einer nigerianischen Mittelschichtfamilie gleichermaßen ins Erbgut geschrieben. Die Mutter eine überzeugte Feministin, sein Vater Pastor der anglikanischen Kirche, Schuldirektor und Präsident der Nigeria Union Of Teachers. Beide Elternteile engagieren sich gegen Großbritanniens Kolonialherrschaft, die Mutter aktiv beteiligt an den Abeokuta Women's Riots von 1949. Damit noch nicht genug, Fela Kuti ist ein Cousin des Literaturnobelpreisträgers Wole Soyinka, sowohl dieser als auch er sind Verwandte des Kirchenmannes und Musikpioniers Josiah Ransome-Kuti.
Kein Wunder, dass er bereits während seines Musikstudiums am Londoner Trinity College mit der eigenen Bandformation Koola Lobitos westafrikanischen Highlife und Jazz kombiniert, beziehungsweise nach seiner Rückkehr unter Einbeziehung von Funk, Soul sowie Elementen der Yorubakultur zum Gründervater des Afrobeat avanciert, woraufhin Lagos, damals Nigerias Hauptstadt, zum Magneten für angloamerikanische Rockgrößen wie Paul McCartney oder Ginger Baker wird.
Derweil attackiert Fela Kuti Nigerias einheimische Machteliten und Nachfolger der einstigen Kolonialherren auf das Schärfste. Dass sie korrupt sind, während die Bevölkerung darben muss, lautet sein Vorwurf. Das Establishment schlägt jeweils mit ganzer Härte zurück. Seine Kalakuta Republic, eine Kommune, die kostenlose Gesundheitsversorgung anbietet und ein Tonstudio umfasst, wird 1977 vom nigerianischen Militär bis auf die Grundmauern zerstört, seine betagte Mutter von Soldaten aus dem Fenster eines Gebäudes geworfen, später erliegt die alte Dame ihren Verletzungen im Krankenhaus.
Um bei den nächsten Präsidentschaftswahlen selbst kandidieren zu können, gründet Fela Kuti 1979 eine Partei, die MOP, abgekürzt für Movement Of The People, muss unter dem Druck der Regierung seine Bemühungen aber sogleich wieder einstellen. 1997 stirbt er achtundfünfzigjährig an der Immunschwächekrankheit Aids. Fela Kutis jüngster Sohn Seun wacht über das Vermächtnis des Vaters und führt es fort.
Im Vorfeld der Grammy Awards 2026 publiziert eine zwölfteilige Podcastserie unter dem Titel "Fela Kuti: Fear No Man", die neben Barack Obama unter anderem Paul McCartney, David Byrne, Brian Eno sowie Questlove zu Wort kommen lässt. Flea von den Red Hot Chili Peppers, ebenfalls interviewt für die Serie, gibt zu Protokoll, Fela Kutis musikalische Hinterlassenschaft sei "the hardest shit you've ever heard", während Hörfunkjournalist Jad Abumrad, der Podcastmacher, zu bedenken gibt, "if you think music has no power, listen to this". Parallel zur Podcastserie und dem Lifetime Achievement Award veröffentlicht auf vier Vinylscheiben oder wahlweise 2 CDs die Compilation "The Best Of The Black President". Dort untergebracht, was zur Repertoiregrundausstattung gehört.
Fela Kuti ist der erste Afrikaner, dem ein Lifetime Achievement Award zugestanden wird. Entgegengenommen wurde die Ehrung während der Special Merit Awards Ceremony in Los Angeles von seinen Kindern Femi, Yeni, Kunle und Shalewa.
Bernd Gürtler/TM
Fela Kuti
"The Best Of The Black President"
(Partisan; 21.11.25)
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