|   Rezension

Gregory Uhlmann

Extra Stars

(International Anthem)

Vierzehn Musikvignetten für den Kopfhörer, längenmäßig dergestalt proportioniert, dass es gehaltvoll die Distanz zwischen zwei U-Bahnstopps überbrückt. Von einem, der weiß, wie es geht, weil entsprungen dem Personalgeflecht um das Chicagoer Schallplattenlabel International Anthem.

Bereits im Kindesalter ein passionierter Hobbypianist, wechselt Gregory Uhlmann zum Bass, um an der Seite seines Bruders den Rock zu erkunden. Der gesamte Rest des Musikuniversums erschließt sich ihm durch das überreichliche Tonträgerangebot einer Filiale der Ladenkette Tower Records im Stadtteil Lincoln Park, seiner Nachbarschaft in Chicago. Als ein gewisser Jeff Parker sich des jungen Talents annimmt, bekommt er Jazzkoryphäe Thelonious Monk nahegebracht und findet Zugang zur Welt der freien Improvisation. Seinem Mentor inzwischen nach Kalifornien gefolgt, ist Gregory Uhlmann regelmäßiger Mitstreiter bei Auftritten und Schallplatteneinspielungen von Jeff Parkers SML, hilft aus bei Anne Butterss, Perfume Genius oder Hand Habits, pflegt im Trio mit Josh Johnson und Sam Wilkes elektroakustische Kammermusik oder vertreibt sich die Zeit mit Logan Hone's Similar Fashion beziehungsweise Fell Runner.

"Extra Stars" ist ein hochgradig originelles Soloalbum. Das Reizvolle liegt in der raffinierten Formsprache, mehr aber noch in den putzigen Klangwelten, was seinen Niederschlag in Stückeüberschriften seiner Instrumentalminiaturen wie "Pocket Snail", "Like Tea", "Worms Eye", "Back Scratch" oder "Burnt Toast" findet. Höchste Zeit, sich den Namen Gregory Uhlmann als Garanten für außergewöhnliche Musikkreationen einzuprägen.
Bernd Gürtler/TM


Gregory Uhlmann
"Extra Stars"
(International Anthem; 6.3.26)


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