Den Unterschied macht mitunter eben doch die Landschaft, aus der jemand kommt. Luther und Cody Dickinson sind die Söhne des weithin geschätzten Produzenten und Sessionmusikers Jim Dickinson. Lebensmittelpunkt der Familie ist Mississippi, genauer das Hill Country, eine Hügellandschaft im Norden des Mississippi Deltas kurz vor Memphis, wo sich wegen der Unwegsamkeit des Geländes afrikanische Elemente des Blues hartnäckiger halten konnten als anderswo.
Die Rhythmik, den Beat der zuletzt von Othar Turner prominent vertretenen Drum & Fife-Tradition, bemühen die North Mississippi Allstars mehrfach auf "Still Shakin'", stets variantenreich und wohl dosiert, sowohl bei Coverversionen wie Robert Johnsons "Preachin' Blues" oder R.L. Burnsides "Poor Boy" als auch eigenen Stücken wie dem bekennerhaften "Pray For Peace", wo es mit Blick auf die angespannte Weltlage treffend heißt, "Look back on crossroads seen in our grandfathers's lives/A lot of change has come but we are still not wise"; weil die North Mississippi Allstars jeweils mit weißen und schwarzen Musikern besetzt sind, wissen sie, wovon sie sprechen, wenn sie die Fürbitte "Colorblind, I wish we could be colorblind" anfügen.
Um sich einen Eindruck zu verschaffen, wie modern Blues über einhundert Jahre nach seiner Ersterwähnung durch W.C. Handy klingen kann, bietet "Still Shakin'" reichlich Gelegenheit. Robert Plant wusste, weshalb er 2014 zu zwei Songs von "World Boogie Is Coming" Mundharmonika beisteuerte und die North Mississippi Allstars im Jahr darauf das Vorprogramm seiner Europatournee bestreiten ließ.
Bernd Gürtler/TM
North Mississippi Allstars
"Still Shakin'"
(NewWest/Bertus; 6.6.25)
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