|   Rezension

Irreversible Entanglements

Open The Gates

(International Anthem)

Wiederholt warnt eine Frauenstimme im eröffnenden Titelstück vor den Risiken und Nebenwirkungen des Albums. "It's energy time!" ruft sie, während der pulsierende Kontrabass und ein polyphones Schlagzeug erahnen lassen, das den Hörer erwartet. Kein Free Jazz wie zu Zeiten seiner Erschaffung, als Musiker zusammenkamen um munter aneinander vorbei zu tröten. Reichlich individueller Entfaltungsspielraum bleibt dennoch und trotz vergleichsweise geordneter Strukturen. Irreversible Entanglements wissen inzwischen wie sie es anstellen müssen, "Open The Gates" ist ihr drittes Album.

Die Besetzung an Schlagzeug und Bass, Saxophon und Trompete, seit dem Debütalbum von 2017 unverändert.

Die Frauenstimme gehört auch immer noch der Sängerin, Beatpoetin und Aktivistin Camae Ayewa aus Philadelphia, besser bekannt vermutlich unter dem Künstlerpseudonym Moor Mother.

Ihrem eindringlichen Sprechgesang bietet die Band ein adäquates Forum. Im Gegenzug sind es Camae Ayewas Texte, die die Band mit der Gegenwart verknüpfen, so dass das Webmagazin Pitchfork schwärmen konnte, den Irreversible Entanglements gelinge eine faszinierende Topographie vom Wesen Amerikas, "by capturing what’s in the news and what’s underneath that surface". Im Presseinfo des Schallplattenlabels zu "Open The Gates" heißt es, das Album "snakes through the sandy ashes of possible histories, dialogs with a nervous present, and asks to be birthed into a holographic new future."

Eine Zukunft wohlgemerkt, von der erwartet wird, dass sie Amerikanern schwarzer Hautfarbe eine stärkere Teilhabe zugesteht als bislang gewährt.

Die Vinylausgabe von "Open The Gates" ist ein Doppelalbum, die Stücke mit einer Ausnahme um die acht, zehn, eins sogar knapp zwanzig Minuten lang.
BG/TM

Video/Audio
"Open The Gates"

 

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