|   Rezension

Jon Spencer & The Hitmakers

Spencer Gets It Lit

(Bronzerat)

Der gute alte Rock'n'Roll, Mitte des vergangenen Jahrhunderts erfunden, in der einen oder anderen Form aber immer präsent geblieben. Jon Spencer erwarb sich beträchtliche Verdienste um die Fortschreibung der Tradition, nicht durch nostalgische Rückwärtsgewandtheit sondern beherztes Modernisieren im Spannungsfeld zwischen Rolling Stones, Einstürzende Neubauten und dem frühen Elvis Presley. Seit ein Theremin zum Instrumentenfundus gehört, konnte sich eine elektronische Komponente einschleichen, die auf "Spencer Gets It Lit" Oberhand gewinnt.

Jon Spencers erste nennenswerte Bandformation Pussy Galore, benannt nach der Filmfigur aus dem James-Bond-Streifen "Goldfinger", veröffentlicht ihr drittes und letztes Studioalbum unter dem Titel "Historia de la Musica Rock". Bandmitglied damals ein Schlagzeuger, der sein Schlagzeugset nach dem Vorbild der Einstürzenden Neubauten um schrottreife Metallteile erweitert hatte.

Enthalten auf dem Album auch zwei Coverversionen. Die eine, "Crawfish", aus dem Songnachlass von Elvis Presley, erinnert wegen der räudigen Interpretation an die brachiale Urgewalt von Elvis Presleys Bühnenperformance des Jahres 1956, nachzuhören beispielsweise im 4CD-Boxset "Today, Tomorrow & Forever". Bei der anderen Coverversion handelt es sich um den Bluesklassiker "Little Red Rooster", verfasst von Willie Dixon und berühmt geworden durch die Rolling Stones, die Zeit ihres Bestehens die Blueswurzeln des Rock'n'Roll nie aus dem Blickfeld verloren haben.

Jon Spencers nächste Band, die Blues Explosion, führt den Blues im Bandnamen, wählt häufiger Memphis, Tennessee, als Einspielort neuer Alben, begleitet R.L. Burnside bei dessen "A Ass Pocket of Whiskey", verpflichten den betagten Bluesmann als Gast beim eigenen "Now I Got Worry".

Spätestens seit "Extra Width" bringt Jon Spencer das Theremin zum Einsatz, lässt es auf dem Frontcover zu "Orange" sogar stilisiert abbilden. Und jetzt eben "Spencer Gets It Lit", das klingt als sei "That's Alright" nicht 1954 im Studio von Sun Records entstanden, sondern dieser Tage von drei Cyborgs in einem geheimen Computerlabor ausgetüftelt worden. Jack White von den White Stripes und die Black Keys versuchten ähnliches, mit durchwachsenen Ergebnissen, hätten es womöglich aber von vornherein bleibenlassen, wäre Jon Spencer nicht gewesen, der aufzeigen konnte, wie es geht.
BG/TM

Video/Audio
"Junk Man"
"Death Ray"
 

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