|   Rezension

Pokey LaFarge

In The Blossom Of Their Shade

(New West/PIAS)

Vintage Style heißt das wohl, wenn jemand wie Pokey LaFarge alte amerikanische Roots Music aufgreift, aber eben nicht im Sinne musealer Geschichtsbewahrung, sondern als Ausdruck eigener Coolness. Unter der wachsenden Schar seiner Sympathisanten Jack White, der sich nicht zu schade war, das kurz "Pokey LaFarge" betitelte sechste Album des heute Achtunddreißigjährigen auf seinem Schallplattenlabel Third Man Records zu veröffentlichen. Inzwischen weiß der Künstler, dass die betagten Uraltspielweisen auch ein passables Vehikel für eigene Befindlichkeiten der Gegenwart abgeben.

War "Rock Bottom Rhapsody" vom Vorjahr eine reichlich melancholische Angelegenheit, gespeist aus Beziehungskummer, Einsamkeit und Entfremdung, lässt "In The Blossom Of Their Shade" das Pendel in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen. Erstaunlicherweise, denn in der Erwartung, mit "Rock Bottom Rhapsody" ausgiebig auf Tour zu gehen, hatte Pokey LaFarge sein Wohndomizil in Los Angeles aufgegeben und seine Habseligkeiten eingelagert. Gekommen ist er bis Austin, Texas, wo ein Auftritt beim Branchentreffen SXSW verabredet war. Dann brach Corona aus, und der gesamte Tourbetrieb kam zum Erliegen, weltweit.

Für ihn allerdings nicht unbedingt die verheerendste Katastrophe, denn es fand sich Gelegenheit, sich auf sich selbst zu besinnen und den Trübsinn hinter sich zu lassen. Entsprechend heiter die Songs auf "In The Blossom Of Their Shade". Eine einzige sommersonnige Postkartenbuntheit vom reggaehaften Intro zum Eröffnungssong "Get It 'Fore It's Gone" über die Anleihen bei Sam The Sham & The Pharaohs "Wooly Bully" in "Fine To Me" bis zum gospelhaften "Long For The Heaven I Seek". Zwischendurch bleibt Raum für Wünschenswertes. "Rotterdam", erläuterte Pokey LaFarge dem Webmagazin Brooklyn Vegan, sei bereits geschrieben "2017 and I remember at the time how I admired the seemingly high level of social equality and access to certain social services there in The Netherlands. But really it’s more about a place that doesn’t really exist. Rotterdam as utopia. Paired with a fair amount of confusion and frustration over how some things are in the USA, I found the lyrics to be an outlet."
BG/TM

Video/Audio
"Fine To Me"
"Rotterdam"
"Get It 'Fore It's Gone"
 

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