|   Rezension

Jeff Parker

Forfolks

(International Anthem)

Einfach mal die Klappe halten, nicht immer zu jedem Unfug seinen Senf dazugeben. Leider eine arg vernachlässigte Kulturtechnik, es krakeelt und keift auf diversen Kanälen. Ob Jeff Parker tatsächlich angenervt war vom überbordenden, oft bösartigen Mitteilungsbedürfnis der Mitmenschen oder bloß das pandemiebedingte Social Distancing sinnvoll nutzen wollte, wissen wir nicht; das Presseinfo des Schallplattenlabels liefert keinerlei Hinweise. Dessen ungeachtet bleibt "Forfolks" ein reines, zum Innehalten einladendes Sologitarrenalbum, bei dem sich mehr Worte als notwendig von selbst verbieten.

Nicht, dass "Forfolks" nicht der Rede wert wäre. Ganz im Gegenteil, es knüpft an eine Tradition, die mit Robert Fripps Frippertronics und Achim Reichels "Die grüne Reise" Gestalt annahm.

Beide Gitarristen entwickelten seinerzeit eine Form der Interaktion mit sich selbst, unter Zuhilfenahme von jeweils einem Spulentonbandgerät und um etwas zu erzeugen, das als Loops zu bezeichnen sich eingebürgert hat.

Die acht Stücke auf "Forfolks" beruhen auf inzwischen digital generierten Loops. "My Ideal" ist ein durch Chet Baker und John Coltrane bekannter Jazzstandard. "Ugly Beauty" stammt im Original von Thelonious Monk. "La Jetée" war von Jeff Parker bereits 1997 mit seiner Projektband Isotope 217 sowie 1998 mit Tortoise eingespielt worden. Das Intro zu "Off Om" erinnert verblüffend an Robert Fripps Sologitarrenspiel der unmittelbaren Post-Frippertronics-Ära. Sind die beiden Vorgängeralben "The New Breed" und "Suite For Max Brown" Auseinandersetzungen mit den Biographien der Eltern gewesen, ist "Forfolks" Jeff Parkers gezupfte Auszeit vom tagtäglichen Aberwitz.
BG/TM

Video/Audio
"Four Folks"
 

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