Es begab sich Ende der siebziger Jahre, dass die Do-It-Yourself-Philosophie des Punkrock an der Kunstakademie zu Düsseldorf auf den Erweiterten Kunstbegriff des Joseph Beuys traf, junge Kunststudenten zusätzlich zur bildenden Kunst Rockmusik als Ausdrucksmöglichkeit entdecken und sich dabei an avantgardistischen Kunstströmungen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts orientieren. Wichtiger als britischer Beat oder vom Blues inspirierter, amerikanischer Rock werden Dada, Fluxus und elektronische Musikinstrumente. Radikal anders als bei den Altvorderen sollte es klingen, was dem Plan, gegründet von Moritz Reichelt, Frank Fenstermacher sowie Kurt Dahlke mit den ersten drei Alben "Geri Reig", "Normalette Surprise" und "Die letzte Rache" beispielhaft gelingt.
Ermutigt durch den heute reichlich umstrittenen amerikanischen Industrialpionier Boyd Rice, besinnt sich die Band gleichzeitig der deutschsprachigen Schlagertradition, sodass zwischen den experimentellen Albumstücken beziehungsweise zwischen den jeweiligen Albumveröffentlichungen naive, eingängige Songperlen aufleuchten, die den Gedanken des Easy Listening bereits in sich tragen.
Die Neufassungen von "Take It Easy!" verstärken vorrangig dieses Element. So jazzgefärbt wirken "Da vorne steht ne Ampel", "Gefährliche Clowns" oder "Alte Pizza" wunderbar entspannt. Die Songtexte verlieren nichts von ihrem skurrilen Charakter. Passagen wie "Woll'n die Russen uns vernichten/Oder sind die Amis schuld?" aus "Gummitwist" dürften nach wie vor und je nach Weltbetrachtungsperspektive verständnisloses Kopfschütteln oder schiere Begeisterung hervorrufen.
Angestoßen wurde "Take It Easy!" 2024 durch das Kunstprojekt "Eine Straße" zur Revitalisierung der Düsseldorfer Graf-Adolf-Straße, einer ehemaligen Einkaufsmeile, inzwischen reichlich ramponiert. Der Plan kapert im Rahmen des Projekts die Ellington Bar, verpasst der Lokalität ein polynesisches Tiki-Outfit und gibt Konzerte im Stil von "Take It Easy!". Kurt Dahlke war im selben Zeitraum auf Einladung der Galerie Setareh X anlässlich der Kunstausstellung "Der Tag, an dem die Erde stillsteht" unter seinem Künstlerpseudonym Pyrolator solo mit einer Elektronikperformance in Düsseldorf zu erleben.
Bernd Gürtler/TM
Der Plan
"Take It Easy!"
(AtaTak; 10.10.25)
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