|   Rezension

The Felice Brothers

From Dreams To Dust

(YepRoc/Bertus)

Die Tage werden kürzer, die Nächte kühler, die Laubbäume bekommen Färbung. Bedeutet was? Richtig, der Herbst ist angebrochen und nicht mehr lange, dann folgt der Winter. Ob es Schnee geben wird, sorgt in mitteleuropäischen Breiten seit längerem für heftige Spekulationen. Nur eines steht fest, wie jedes Jahr geht es mit Riesenschritten auf Weihnachten zu. Das Frontcover des jüngsten Studioalbums der Felice Brother nimmt Bezug auf den ewigen Kreislauf der Jahreszeiten und Festivitäten. Allerdings kaum im Sinne der Supermarktketten, die bereits im Spätsommer Schokoladenweihnachtsmänner anbieten.

Die Winterweihnachtsidylle vorn auf "From Dreams To Dust" steht für eine Behaglichkeit, die den meisten Songprotagonisten des Albums versagt bleibt. Eine Lebenswelt, mit der die Felice Brothers hinreichend vertraut sind. Das Gründergespann, drei Brüder, geboren und aufgewachsen in den Catskill Mountains, stammt aus bescheidenen Working-Class-Verhältnissen; gestartet sind sie als Straßenmusikanten in New Yorker U-Bahn-Stationen.

Aber, lässt Sänger und Hauptsongschreiber Ian Felice im Presseinfo des Schallplattenlabels mitteilen, Schwarzmalerei liege ihm fern. Er wolle seiner Hörerschaft dasselbe angedeihen lassen, "what the best music in my life has done for me". Nämlich "to help them think through hard times or think through how to communicate something they didn’t know how to; to just make them happy. This may sound ironic, because my music is kind of dark sometimes, but the music I love best is just the most hopeful music like Pete Seeger singing about humanity getting along or Michael Hurley music that connects to some childlike simplicity that makes you feel light and happy. Music is a medicine. It can make our time on the planet a little more enjoyable."

Es besteht also Hoffnung für den namenlosen Sherriff und Helen, seine Begleiterin aus dem eröffnenden "Jazz On The Autobahn". Das finale "We Shall Live Again" lässt ein Licht am Ende des Tunnels aufscheinen. Die zehn Songs dazwischen widmen sich Umweltthemen, Geiz und Gier, dem Generalversagen der Menschheit in fundamentalen Existenzfragen schlechthin. Eingespielt wurde "From Dreams To Dust" in der Standardbesetzung einer dem Americana zugerechneten Band, inklusive Akkordeon und Pedal Steel Guitar sowie einer Trompete, die an Randy Newmans Melancholie denken lässt, als er vom Niedergang der amerikanischen Industriemetropole Baltimore sang.
BG/TM

Video/Audio
"Jazz On The Autobahn"
"Inferno"
"We Shall Live Again"

 

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