|   Rezension

Robert Finley

Sharecropper's Son

(Easy Eye Sound)

Gestartet als halbwüchsiger Steppke im Gospelchor und fortan auf eine echte Musikerkarriere gehofft, lange ohne befriedigendes Ergebnis. Aber wie heißt es? Gottes Wege sind unergründlich. Robert Finley jedenfalls, Spross der bibelgeschulten amerikanischen Südstaaten, wollte sein Schicksal nie ernsthaft in Zweifel ziehen. Glaubt sogar, seine nahezu vollständige Erblindung sei der Preis, dass er mit Anfang sechzig doch noch entdeckt wurde. Sein eifrigster Unterstützer fand sich in Dan Auerbach von den Black Keys, der seinerseits überzeugt ist, dem "greatest soul singer" begegnet zu sein, den er jemals für möglich hielt.

Robert Finleys Debütalbum von 2016, sinnigerweise "Age Don't Mean A Thing" betitelt, war lupenreiner Südstaatensoul im Stil der sechziger Jahre, funky und durch sattes Blechgebläse angetrieben. Hätte sich nahtlos zwischen Klassiker von James Brown, Otis Redding und Aretha Franklin gefügt. Der Albumnachfolger hieß "Goin' Platinum", kombinierte den Southern Soul mit DooWop-Elementen der großstädtischen Nordstaatenmetropolen sowie modernen Rockanleihen und kreist thematisch ähnlich "Age Don't Mean A Thing" um Beziehungsangelegenheiten, vorgetragen nur eben mit dem Erfahrungsschatz des gelebten Lebens.

Geboren 1954 in Bernice, Louisiana, tritt Robert Finley als Sechzehnjähriger in die US-Armee ein, wird dem Technikpersonal einer Hubschrauberstaffel zugeteilt, nach Deutschland abkommandiert, wo ihm aufgrund seiner musikalischen Vorgeschichte die Leitung einer Armeekapelle übertragen wird, mit der er US-Stützpunkte in gesamt Westeuropa bereist. Zurück in den Vereinigten Staaten heiratet er, hat Kinder, verdient sich seinen Lebensunterhalt als Zimmermann. Musik findet nur noch nach Feierabend statt.

Der Sprung ins professionelle Showgeschäft gelingt Dank Timothy Duffy von der Music Maker Relief Foundation, als sich die beiden begegnen ist Robert Finley geschieden und obdachlos, zuvor war sein Haus, dann sein Wohnwagentrailer abgebrannt, und ein Grüner Star trübt zunehmend sein Augenlicht. "Sharecropper's Son", genau wie "Goin' Platinum" produziert von Dan Auerbach, gräbt tiefer in seiner Biographie, geht zurück bis in seine Kindheit und Jugend. Die Studiobesetzung eine handverlesene, an Piano, Schlagzeug, Bass und Gitarre, Bobby Wood (Elvis Presley, Wilson Picket, John Prine), Gene Chrisman (Bobby Womack, Dusty Springfield, Al Green), Dave Roe (Johnny Cash, June Carter Cash), Russ Pahl (Marcus King, Jim Lauderdale) beziehungsweise Kenny Brown (RL Burnside). Um die stilistische Bandbreite zu erfassen, eignet sich am ehesten "Better Than I Treat Myself". Das eröffnende Gitarrenlick erinnert verdächtig an Robert Johnson, der Rest ist seelentiefer Soul.
BG/TM

Video/Audio
"Better Than I Treat Myself"
"Sharecropper’s Son"

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