|   Rezension

Aquaserge

The Possibility Of A New Work For Aquaserge

(Crammed Discs)

Populärmusik mit offenkundiger Nähe zur zeitgenössischen Klassik. Vorreiter im Jazz sind John Coltrane und Eric Dolphy gewesen, im Rock Frank Zappa, Soft Machine oder Henry Cow, die Band von Fred Frith. Aquaserge stehen in derselben Tradition. "The Possibility Of A New Work For Aquaserge" ist das sechste Album des französischen, 2005 in Toulouse gegründeten Quintetts. Die Stücke, teils Fremdkompositionen, teils Eigenschöpfungen, künden von einem Höchstmaß an Kennerschaft und Können.

"Un grand sommeil noir" stammt aus dem Nachlass von Edgar Varèse und gilt als sein ältestes Frühwerk, verfasst 1906 mit Anfang zwanzig unter dem Eindruck eines Gedichts von Paul Verlaine und noch geprägt von seinen Vorbildern Claude Debussy, Maurice Ravel und Erik Satie. Kein Klassiker wie "Ionisation", das der Überlieferung nach Frank Zappa den entscheidenden Anstoß lieferte, Musiker zu werden. Aquaserge wissen um das Stück und verwandeln es in anspruchsvollen Pop, zusammengehalten von einem pulsierenden funky Elektrobass.

Dass einem die komplexen Strukturen und streckenweisen Dissonanzen nicht mehr fremd vorkommen, wird daran liegen, dass zeitgenössische Klassik in den vergangenen Jahrzehnten vielfach in die Populärmusik eingeflossen ist und umgekehrt. Ausreichend Gelegenheit darüber nachzugrübeln, wo der kulturelle Austausch der Gegenwart am spektakulärsten verläuft, bieten die übrigen Stücke auf "The Possibility Of A New Work For Aquaserge". Als da wären "1768° (à Edgar Varèse)", "Hommage à Giacinto Scelsi", "Comme des carrés de Feldman" sowie "Nuit Terrestre (à György Ligeti)" und "Nuit Altérée (à György Ligeti)", samt und sonders Eigenkompositionen und gedacht als Referenz an die jeweils genannten Altvorderen. "Only", als "Version 1" und "Version 2" eingespielt, stammt im Original von Morton Feldman. Exzellenter Hörstoff für Momente, wenn es ausnahmsweise herausfordernder sein darf!
BG/TM

Video/Audio
"Un grand sommeil noir"

 

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