|   Rezension

Martha Wainwright

Love Will Be Reborn

(Pheromone/Cooking Vinyl)

Alte Liebe vergeht, begleitet von Kummer und Schmerz. Neue Liebe entbrennt und beschert ungeahnte Glücksgefühle. Ein Alltagsphänomen mehr oder weniger, weit verbreitet. Und dennoch, wer betroffen ist, entwickelt augenblicklich ein dringendes Mitteilungsbedürfnis. Sänger und Songschreiber genießen das Privileg, sich in solchen Momenten in breitester Öffentlichkeit mit ihrem Befinden auseinandersetzen zu dürfen. Martha Wainwright macht ausgiebig Gebrauch davon. "Love Will Be Reborn", ihr erstes Album nach fünfjähriger Albumpause, womöglich eine lebensrettende Maßnahme sogar.

Beziehungsstatus? "Middle Of The Lake" vermeldet der gleichnamige Eröffnungssong. Die alte Liebe zurückgelassen, aufgebrochen zu neuen Ufern, aber noch vollkommen unentschieden, wohin den Kahn steuern.

Eine Antwort auf die bange Songtextfrage "Rock'n'Roll can you save my life?", liegt in der Wahl der Stilmittel verborgen. Ja, Martha Wainwright vertraut darauf, dass Gevatter Rock ihr einen Ausweg aus der Misere zeigen wird. "Love Will Be Reborn" ist ein Rockalbum durch und durch, ein einigermaßen irritierendes nichtsdestotrotz. Der Gesang, eher als wütendes Wehklagen zu deuten, liegt oft neben den Harmonien der Begleitformation. Auch beim Vorgängeralbum "Goodnight City" war das der Fall, wurde dort aber von einem Musikkorsett aufgefangen, das sich am europäischen Kunstlied, am Folk orientiert. Das hat besser gepasst. Auf "Love Will Be Reborn" funktioniert es nur an einer Stelle wirklich. Bei "Rainbow", dank eines Tricks, der bei "So Down", dem einzigen wahren Rocksong auf "Goodnight City", auch schon Anwendung fand. Da wie dort richtet sich die Band nach Martha Wainwright, folgt ihr bei ihren Gesangsmodulationen ins Dissonante.

Oder ob die Misstöne gar inhaltlich begründet sind? Denkbar wäre es. Mehr als dem Glücksgefühl einer neuen Beziehung, widmet sich "Love Will Be Reborn" dem Kummer und Schmerz der alten Partnerschaft. Von häuslicher Gewalt dürfte die Rede sein, wenn es in "Body & Soul" heißt, "Run into the chapel, light up every candle/I fall to my knees I say 'God please', what can I do?/90 seconds later, both hands round my neck I plead 'Oh man take your hands off', what can I do?". Oder "Report Card", das von Kindesentzug zu handeln scheint. Eine Textpassage lautet, "Bring me your report card I want to read it again while I put you empty clothes into an empty bin/I can hardly make it through my gin/without crying a river and wanted it to end". Der blanke Horror, möchte man nicht geschenkt! Zum guten Schluss triumphiert wiedergewonnenes Selbstvertrauen. Das finale "Falaise De Malaise" singt Martha Wainwright in einer anglofranzösischen Sprachvariante ihrer kanadischen Heimat. Und begleitet sich selbst auf dem Klavier, obwohl sie das Instrument gar nicht beherrscht, verrät die Fünfundvierzigjährige im Presseinfo des Schallplattenlabels.
BG/TM

Video/Audio
"Love Will Be Reborn"
"Hole In My Heart"
"Falaise De Malaise"
 

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