|   Rezension

Nina Hagen

Highway To Heaven

(Grönland)

Coverversionen uramerikanischer Gospelsongs sind bei Nina Hagen ein Wiederholungstatbestand. Als bekennende Christin kann die gebürtige Ostberlinerin selbstredend gute Gründe vorbringen und beweist im Umgang mit den Vorlagenmaterialien inzwischen reichlich Geschick.

Laut Presseinfo des Schallplattenlabels zu "Highway To Heaven", betrachtet Nina Hagen die amerikanische Gospelqueen Sister Rosetta Tharpe als Vorreiterin des Rock'n'Roll. Nicht unbedingt abwegig, ihre Beobachtung. Ende der fünfziger Jahre ließ Dixielandmeister Chris Barber Muddy Waters, Otis Spann, Champion Jack Dupree sowie Sonny Terry & Brownie McGhee zusammen mit Sister Rosetta Tharpe zwecks gemeinsamer Tourneen nach Großbritannien einfliegen. Muddy Waters habe seinen Blues zu sehr verrockt, hieß es im Nachhinein gebetsmühlenartig. Mit ebensolcher Beharrlichkeit widersprach Chris Barber. Wenn jemand etwas verrockt habe, gab er zu Protokoll, dann Sister Rosetta ihren Gospel. Schwarzweißclips von Fernsehauftritten im Programm der BBC, die im Weltnetz kursieren, liefern neben Schallplatteneinspielungen von damals den Beweis.

Wie zur Bestätigung, dass Gospel und Rock'n'Roll teils dicht beieinanderliegen, eröffnet "Highway To Heaven" mit "Everybody’s Gonna Have A Wonderful Time Up There", kurz als "Gospel Boogie" betitelt. Selbst bei Sister Rosetta Tharpe und erst recht die Coverversionen von Johnny Cash, Pat Boone bis hin zu Alvin Stardust tendieren eindeutig zum Rockabilly der fünfziger Jahre. Nina Hagen überträgt die Formsprache auf ihre Version und zeigt sich auch sonst wenig beeindruckt von Stilbarrieren.

"Dust On The Bible", ein Original der Bailes Brothers und bereits gecovert von Hank Williams oder Kitty Wells, verrät Anklänge an den Reggae. Mahalia Jacksons "Trouble Of The World" ist in den Funk gedreht und überrascht durch seine elektronischen Klopfgeräusche. Überhaupt lässt die klangliche Umsetzung vielfach aufhorchen, siehe das "Dry Bones" der Delta Rhythm Boys. Bei "Never Grow Old", "There's A Highway To Heaven" und "Hand It Over" hatten sich Nana Mouskouri, Gitte Hænning beziehungsweise Daniel Welbat als Duettpartner zur Verfügung gestellt. "Alle wollen in den Himmel" ist mit einer Prise Bertolt Brecht gewürzt. Famoses Album, jedenfalls für jeden, der sich einlassen möchte.
Bernd Gürtler/TM


Nina Hagen
"Highway To Heaven"
(Grönland; 27.03.26)


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