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Das Albumdebüt von Faust neu aufgelegt: Krautrockklassiker Made in Wümme

Das Albumdesign eine schiere Sensation zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung 1971. Ganz zu schweigen von der Musik, eingespielt im ehemaligen Dorfschulgebäude der niedersächsischen Ortschaft Wümme, reichlich dreißig Autominuten nordöstlich von Bremen. Ein Krautrockklassiker, der begeistert!

Die Hamburger Schallplattenfirma Polydor, unter deren Dach traditionell versammelt Schlagerprominenz wie James Last, Roy Black oder Wenke Myhre, war inzwischen mit Jimi Hendrix, The Who und den Bee Gees im Rocksegment aktiv geworden, wollte jetzt aber auch ein Scheibchen vom Krautrockkuchen abhaben. Der A&R-Chef des Londoner Firmenablegers beauftragt den Hamburger Germanistikstudenten, Journalisten und Schriftsteller Uwe Nettelbeck mit der Ausfindigmachung geeigneter Bands. Er ist es, der Faust in Wümme ein komplettes Tonstudio einrichten lässt und das ambitionierte Cover des Debütalbums durchsetzt. Der Tonträger, gepresst in Klarsichtvinyl und mit der Röntgenabbildung einer geballten Faust versehen. Das Albumcover bestehend aus Klarsichtplastik, und mitgegeben ein weißes Beiblatt, dort abgedruckt in knallroter Schrift neben einer Kurzgeschichte von Uwe Nettelbeck die Songtexte.

Wobei von Songs im engeren Sinne kaum die Rede sein konnte, die drei Stücke "Why Don't You Eat Carrots", "Meadow Meal" und "Miss Fortune" sind aus kollektiver Improvisation hervorgegangen beziehungsweise angelegt als Kollagen. Möglich geworden war das Klangabenteuer dank Kurt Graupner, dem Toningenieur, der von Haus aus bei Polydors Klassiklabel Deutsche Grammophon die Mischpultregler beaufsichtigte, aber als erfindungsreicher Mann der Tat galt und Faust mit einer selbstgebauten Gerätschaft ausstattet, die es erlaubt, dass jedes Bandmitglied nicht nur seinen eigenen Sound, sondern jederzeit auch den seiner Bandmitstreiter beeinflussen kann!

Originalpressungen des schlicht nach der Band benannten Debütalbums sind fünfzig Jahre später ein kleines Vermögen wert. Im Herbst 2025 wird "Faust" neu aufgelegt, als CD und Vinylalbum in verschiedenen Farben, zusammen mit "So Far" sowie "Faust IV", den anderen beiden Albumklassikern der westdeutschen Krautrocker.
Bernd Gürtler/TM


Faust
"Faust"
(BureauB; 26.9.25)


Faust
"So Far"
(BureauB; 5.12.25)


Faust
"Faust IV"
(BureauB; 5.12.25)


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Foto: Kurt Graupner

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