|   Rezension

Tedeschi Trucks Band

I Am The Moon

(Fantasy/Universal)

Kreativität entsteht aus der Nachahmung, wer seine Vorbilder verinnerlicht hat, kann selbst kreative Schaffenskräfte entfalten. Gewöhnlich vollziehen sich solche Prozesse am Beginn einer Künstlerkarriere, werden gern aber auch zwischendurch als Zäsur gesetzt. Bei Susann Tedeschi und Derek Trucks war es ein nichtalltägliches Festivalengagement, das sie bewog, einen Albumklassiker hervorzuholen, dem sich jeder der beiden auf seine Weise verbunden fühlt, um anschließend mit "I Am The Moon" aufzuschlagen, das der recht überschaubaren Liste von Rockvierfachalben einen Eintrag hinzufügt.

Geboren wird Susan Tedeschi im September 1970 am selben Tag als "Layla And Other Assorted Love Songs" von Derek & The Dominos erscheint. Initiiert das Album und die Band durch Eric Clapton, der sich nach einem Konzertbesuch bei den Allman Brothers deren Slidegitarristen Duane Allman für die Albumeinspielung ausborgt. Derek Trucks ist der Neffe des damaligen Schlagzeugers der Allman Brothers Butch Trucks und Sohn von Eltern, die "Layla And Other Assorted Love Songs" so sehr mochten, dass sie ihren Ältesten nach der Band benennen; später durften sie ihn als festes Mitglied der Allman Brothers erleben.

Derart mit der Geschichte hinter "Layla And Other Assorted Love Songs" verwoben, überlegen Susan Tedeschi und Derek Trucks, ob es nicht eine gute Idee wäre, anlässlich eines Auftritts 2019 beim Lockin' Festival in Arrington, Virginia eine Komplettaufführung des Albums zu riskieren. Der Konzertmitschnitt erschien 2020 unter dem Titel "Layla Revisited".

Hängenbleiben sollte das vom Originalalbum verhandelte Beziehungsdrama, das auf Eric Claptons damals noch unerfüllte Schwärmerei für George Harrisons Ehefrau Pattie Boyd zurückging und speziell im legendären Titelsong sowohl auf Bluesurgestein Robert Johnson als auch auf das persische Liebesepos "Leila & Madschnun" Bezug nimmt. Letztere Referenz wird auf "I Am The Moon" über vier Alben hinweg weitergesponnen, wobei der Mond als Metapher für eine unerreichbare Geliebte dient.

Aufgenommen wurde während der Coronapandemie, als Zeit im Überfluss war, sich Dinge auszudenken, aber kaum Möglichkeiten bestanden, gemeinsam im Studio zu arbeiten. Die Songs mussten mehr oder weniger Instrument für Instrument nacheinander zusammengefügt werden. Wer das nicht weiß, wird es kaum merken, die Tedeschi Trucks Band wirkt vital wie immer.
BG/TM

Video/Audio
"I Am The Moon: Episode I. Crescent"
"I Am The Moon: Episode II. Ascension"
"I Am The Moon: Episode III. The Fall"
"I Am The Moon: Episode IV. Farewell"

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