|   Rezension

Micah P. Hinson

The Tomorrow Man

(Ponderosa)

Die geplagte Seele überwindet ihre Vergangenheit und schaut einer hoffnungsvollen Zukunft entgegen. Selten war Micah P. Hinson positiver aufgelegt, die Wohlfühlopulenz der Streicherarrangements verrät es. Produzentisch betreut wurde "The Tomorrow Man" von Alessandro Stefana.

Geboren in Memphis, Tennessee als Amerikaner mit Ureinwohnern vom Stamm der Chickasaw in der Ahnengalerie, verfällt der Sohn eines angehenden Religionslehrers den Drogen, muss Privatinsolvenz anmelden und wird obdachlos. Wohl auch aus Protest gegen das religiös geprägte Elternhaus und die kleinstädtische Enge von Abilene, Texas, wohin die Familie gezogen war, nachdem der Vater mit einem PhD in der Tasche eine Professur an der Abilene Christian University angeboten bekam.Viel zu lachen hatte Micah P. Hinson als Kind und junger Erwachsener jedenfalls nicht, fand im Songschreiben aber ein brauchbares Bewältigungswerkzeug.

Mit beachtlicher Resonanz, bereits das offizielle Albumdebüt "Micah P. Hinson And The Gospel Of Progress" wird von Musikkritik und Publikum geradezu euphorisch begrüßt. Zwanzig Jahre später hält sich die Resonanz eher in Grenzen, wohl auch deshalb, weil Italien sein zweiter Lebensmittelpunkt geworden ist. "The Tomorrow Man" entstand in Italien, mit italienischen Musikern, und erscheint bei Pondarosa Records, einem italienischen Schallplattenlabel. Seine Gemütsverfassung profitiert unbedingt von dem transatlantischen Brückenschlag.

"Oh, Sleepyhead", der Eröffnungssong zu "The Tomorrow Man", gewidmet seinem Sohn, sei eine "powerful declaration of detachment from a suffocating reality and the difficult yet necessary journey towards freedom", befindet das Presseinfo des Schallplattenlabels. Und das Webmagazin Ondarock erkennt im Album "not the denial of pain, but the conscious choice to rise above it. It is the record of a man who, for the first time, truly chooses to belong to tomorrow". Produzent Alessandro Stefana wurde auch schon von PJ Harvey, Mike Patton, Calexico oder dem britischen Penguin Café Orchestra gebucht.
Bernd Gürtler/TM 


Micah P. Hinson
"The Tomorrow Man"
(Ponderosa; 31.10.25)


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Foto: Ponderosa Records

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