|   Rezension

Sun Ra Arkestra

Swirling

(Strut)

Verschwurbelte Weltraumphantasien und die Begeisterung für altägyptische Pharaonenmythologie ließen Sun Ra ein Gedankenrefugium erschaffen, das es ihm als Amerikaner schwarzer Hautfarbe erlaubte, die Rassenschranken des Alltags mühelos hinter sich zu lassen und obendrein einen Jazz hervorzubringen, der jegliche Vorstellungskraft sprengt. Space is the place, lautete sein Künstlermantra. 1993 starb der Maestro neunundsiebzigjährig an den Spätfolgen eines Schlaganfalls. Seine Begleitformation, das Sun Ra Arkestra, veröffentlicht seither sporadisch eigene Schallplatteneinspielungen.

Mit Ausnahme des Titelstücks zu "Swirling", beigesteuert von Marshall Allen, Sun Ras langjährigem Weggefährten und amtierendem künstlerischen Direktor des Arkestras, stammt das übrige Albummaterial nahezu vollständig aus dem kompositorischen Nachlass. Das mag einfallslos erscheinen, erleichtert andererseits jedoch den Vergleich.

"Angels And Demons At Play", ursprünglich eine knapp dreiminütige Kammerjazzabstraktion von 1965, ist dank des musikantischen Vermögens der aktuellen Besetzung fast doppelt so lang geworden und ergänzt um einen Songtext. Bei "Astro Black" vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1973, ursprünglich mit einem der wenigen wirklich originellen Moog-Synthesizer-Einsätze der Jazzgeschichte, kommen die Elektronikklänge jetzt von Marshall Allens EVI, einem sogenannten Electronic Valve Instrument.

Oder das ebenfalls zuerst 1965 erschienene, 2012 vom französischen Elektroduo Zombie Zombie gecoverte und 2013 von Lady Gaga gesampelte "Rocket Number Nine Take Off For The Planet Venus". Auch das liegt auf "Swirling" als Neueinspielung vor, aber sowohl dieser als auch jeder andere Moment des Albums nährt Zweifel, ob Sun Ra seinerzeit wirklich zu ferneren Galaxien aufgebrochen ist oder nicht doch noch mopsfidel weiterhin kräftig mitmischt. Nach wie vor dieselbe, wie das britische Mojo Magazin sich ausdrückt, visionäre Verknüpfung von "big-band swing with frantic saxophone shrieks, gamelan chimes und Afro-futurist free-for alls".

Die Originale zu "Angels And Demons At Play", "Astro Black" sowie "Rocket Number Nine Take Off For The Planet Venus" sind mit weiteren siebzehn Stücken 2014 auf der von Marshall Allen kuratierten Werkschaukollektion "In The Orbit Of Ra" zusammengefasst. Neben dem regulären, 1978 veröffentlichten Studioalbum "Lanquidity" der ideale Einstieg ins sunrasche Universum.
BG/TM

Video/Audio
"Angels and Demons At Play"
"Astro Black"
"Rocket No. 9"
"Swirling"
 

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