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Ein Abend für die Bücher: Garda geben vorerst einziges Konzert im Beatpol Dresden

Dass Garda übermäßig präsent wären, lässt sich eher weniger behaupten. Obwohl es zuletzt vielversprechend aussah, ging die Band erneut in Standby. Diesmal ist anderes angedacht, das vorläufig einzige Konzert im Beatpol soll der Auftakt zu wesentlich mehr sein. Sogar Pläne für ein weiteres Album sind geschmiedet.

Zum Jahresende 2018 sah es ganz nach Durchstarten aus. Mit "Odds" lag ein famoses, drittes Album vor. Konzerttermine standen an, inklusive eines Auftritts in der Hamburger Elbphilharmonie, im Anschluss ein Abstecher nach Japan. Aber dann jahrelang wieder gar nichts mehr. Wieso das? Die Bandmitglieder leben verstreut in Dresden, Leipzig und Chemnitz. Familiennachwuchs hatte sich eingestellt, jeder war beruflich gefordert. Irgendetwas war immer, gibt Kai Lehmann zu bedenken. "Früher lebten alle weitgehend in Dresden. Wenn es hieß, wann können wir proben, war jeder greifbar. Das hat sich geändert und damit umzugehen ist, zumindest für mein Empfinden, schwierig. Die Schnellsten sind wir sowieso noch nie gewesen, das müssen wir auch zugeben, es hat jedes Mal ein Stück weit gedauert zwischen den Alben". Das Leben ist schlicht und einfach immer wieder dazwischengekommen, bringt Ronny Wunderwald die Situation auf den Punkt. "Du musst dich um deine Familie kümmern, wenn du eine hast. Du musst mit deinem Job Geld verdienen, wenn du es mit der Musik nicht schaffst. Wir mussten uns erst Klarheit verschaffen, was jeder beitragen kann und welchen Ansprüchen die Band genügen soll."

Kai Lehmann, Sänger und Gitarrist bei Garda, und Schlagzeuger Ronny Wunderwald kommen aus dem erzgebirgischen Umland von Chemnitz, kannten sich von Konzertbesuchen in Schwarzenberg oder Oederan und gründen gemeinsam Claim, eine Band, die sich Hardcore, Emo und Indie zum Vorbild nimmt. Garda entstehen als beide nach Dresden übersiedeln und dort auf die Erzgebirgsmigranten von The Gentle Lurch treffen, wo Lars Hiller Mitglied ist, der gemeinsam mit Mario Cetti von der Gruppe bergen das Schallplattenlabel K&F Records und die Konzertagentur K&F Artists gründet. 2008 erscheint Gardas Albumdebüt "Die, Technique, die!", gefolgt 2012 von "A Heart Of A Pro".

Sowohl jene beiden Scheiben als auch "Odds" handeln mehr oder weniger von Beziehungen, verrät Kai Lehmann. "Dadurch, dass wir immer lange brauchten und es eine Weile gedauert hat, bis ich zum Schreiben der Songtexte kam, hatte sich just in dem Moment etwas ereignet, das nach Verarbeitung verlangte. Manchmal ging es auch um Geburten, manchmal um den Tod, weil Menschen meiner Umgebung gestorben sind, aber meistens um Liebesfreuden und Liebesleid." Bandintern, ergänzt Ronny Wunderwald, sei das fast ein Treppenwitz gewesen. "Es hieß dann immer schon, Achtung, Kai hat sich getrennt, wir machen ein neues Album. Ihr müsst Zeit freischaufeln, jetzt geht's los".

Aber eben das soll sich ab sofort ändern, bekräftigt Kai Lehmann. "Jeder sagt, dass sein aktuelles Album sein bestes sei. Ich bin überzeugt, dass das auf Garda zutreffen wird. Beziehungen stehen weiterhin auf der Agenda, aber in anderer Form. Ohne allzu viel verraten zu wollen, die neuen Songs werden auch traurig sein, aber nicht mehr verzweifelt, eher von einer selbstbewussten Melancholie. Wir werden Themen ansprechen, die wehtun, aber auf eine ermutigende Weise. Zum Konzept sei vielleicht so viel gesagt, dass wir Personen des öffentlichen Lebens bemühen werden. Ein neuer Song, den wir schon spielen, heißt 'Paddy Pimblett' und handelt von einem irischen Free Fighter; Free Fighter sind die, die ohne jeden Schutz in den Ring steigen und gegenseitig auf sich einprügeln. Die ganz harten Typen. Paddy Pimblett gewann vor zwei Jahren die Weltmeisterschaft, davon existiert ein Video, wie er im Gesicht blutend zum Mikrofon im Ring greift und sagt, ihm sei der Sieg gerade scheißegal, weil die Nacht zuvor sein bester Freund sich umgebracht hat. Sein Ratschlag ans tobende Publikum, wenn ihr Probleme habt, redet mit jemandem. Das fand ich zutiefst berührend. Solche Persönlichkeiten nehmen wir und geben durch sie bestimmten Themen eine Bühne."

Auf den Abend im Beatpol freuen sie sich selbstredend, nicht nur auf das Konzert, sondern den gesamten Tag, unterstreicht Kai Lehmann. "Wie es aussieht, wird es eine Zusammenkunft von vielen, die wir lange nicht gesehen haben. Es gibt kein Warum, kein warum wir das machen. Wir haben einfach Lust und würden uns freuen, wenn das Publikum, das hoffentlich zahlreich erscheint, ebenso empfindet. Uns geht es um den Moment, ums Genießen. Heutzutage muss immer alles aus einem bestimmten Grund geschehen, einen Zweck erfüllen, es muss immer etwas dabei rauskommen. Wir machen das einfach, das ist der springende Punkt." Es sei sowieso ein Privileg, im Beatpol aufzutreten, ergänzt Ronny Wunderwald. "Für uns ist der Klub wie unser Wohnzimmer, wir haben dort schon Konzerte besucht, als wir noch keine Band hatten und wurden von Anfang an durch den Beatpol unterstützt. Wenn jeder am Ende rausgeht und denkt, hey, das war ein Abend für die Bücher, sind wir zufrieden, egal, was danach kommt."
Bernd Gürtler/TM


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Konzert
12.12.25 Dresden, Beatpol

Foto: K&F Records
Foto: K&F Records

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