|   Rezension

Low Cut Connie

Livin In The USA

(Many Hats)

Eine ebenso urige wie glamouröse Rockspielweise mit Stilreferenzen bis hinein in die Mittfünfzigerjahre. Unter den Sympathisanten der Band um Frontmann Adam Weiner aus Philadelphia Barack Obama und Elton John. Keiner der beiden dürfte die öffentliche Wertschätzung bedauern.

Als Donald Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit dem John F. Kennedy Center Of The Performing Arts in Washington D.C., umgehend sämtliche Projekte im Zusammenhang mit LGBTQ streichen lässt, kündigt Adam Weiner sein Engagement im Rahmen der vom hauptstädtischen Kulturtempel initiierten Social Impact Series zur Förderung von Diversität und sozialer Gerechtigkeit mit Hinweis auf seine eigene diverse Anhängerschaft. "Many of these folks will be directly negatively affected by this Administration's policies and messaging", gab er dem US-Musikmagazin Rolling Stone zu Protokoll; seine Musikerkarriere startet er als Pianist einer queeren New Yorker Karaokebar und lässt bei Bühnenauftritten mit Low Cut Connie das androgyne Element des Glamrock anklingen, sofern er nicht am Piano den Jerry Lee Lewis gibt. 

Der Titelsong zu "Livin In The USA" mit der markanten Eröffnungszeile "Livin in the USA, but it ain't my home", entstand unter dem Eindruck des gewaltsamen Vorgehens von Beamten der amerikanischen Heimatschutztruppe ICE gegen vermeintliche und tatsächliche illegale Migranten zunächst als halbakustisches Kammerstück. Die Albumversion geriet deutlich rockiger und findet sich eingebunden in eine breite Generaldebatte zur Lage der Nation. 

"Can't Be Wrong" beispielsweise plädiert dafür, den Begriff des Patriotismus in Zeiten von Diversität und Inklusion mit neuer Bedeutung zu füllen und sich obendrein den Partyspaß nicht nehmen zu lassen. Sein Album markiere den Moment, wo es sich erforderlich macht, aktiv zu werden, betont Adam Weiner im Gespräch mit dem amerikanischen National Public Radio The Current in Minneapolis. Auf Tournee kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten habe er sein Publikum gefragt, was es angesichts der aktuellen Situation empfindet. Zorn sei die häufigste Antwort gewesen. "So we're all collectively angry. We can't act like that's not true. I just want to give people an outlet to try to find a way so that by this summer, we can get through anger to joy as well, right? We can have both things, you can protest during the day, and then you can have a pool party at night. I do not want us to lose our joy." 

Erschienen ist "Livin In The USA" einen Tag vor den Jubiläumsfeierlichkeiten zum zweihundertfünfzigsten Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Adam Weiner und seine Low Cut Connies wollen Zuversicht verbreiten, gar keine Frage. Warum wirkt ihr Bemühen trotzdem wie das berühmte Pfeifen im Walde? Donald Trump ist nicht meschugge, wie oft behauptet. Der Mann weiß genau, was er tut.
Bernd Gürtler/TM 


Low Cut Connie
"Livin In The USA" 
(Many Hats; 3.7.26)


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Foto: Danny Clinch