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The Sound Of Bronkow Music Festival 2026: Nichtseattle als Headliner

Ursprünglich gewidmet das Festival angloamerikanischer Roots Music, versammelt es diesmal Vertreter der deutschsprachigen Verwandtschaft. Von Ausnahmen abgesehen, Headliner Nichtseattle jedenfalls, wird Songs ihres vierten Studioalbums "Große Liebe" dabei haben. 

Die beiden im Programm des The Sound Of Bronkow Music Festivals 2026, die den angloamerikanischen Vorreitern noch am nächsten stehen, sind Digger Barnes und Zach Thompson. Der eine, ein gebürtiger Hamburger, dem ähnlich Niels Koppruchs Fink die Country Music am Herzen liegt. Der andere von britischer Herkunft, offenbar nicht verwandt mit dem Familienklan um Folkurgestein Richard Thompson, und trotzdem ein Riesentalent. Sein Songwriting verbindet "Dada poetry, Biblical myth, nursery rhymes, newspaper columns and everyday idioms" zu einer einzigartigen Handschrift, vermerkt Bandcamp anlässlich der Debüt-EP "Algebra Parable" und würdigt das Changieren zwischen "surreal imagery, social commentary and sprawling orchestral arrangements, cementing his reputation as one of the most distinctive new voices in contemporary folk music." Wären er und Bob Dylan zur selben Zeit gestartet, hätte sich gewiss nicht Zach Thompson warm anziehen müssen. Eine echte Entdeckung, der Mann! 

Barbora Hora aus Tschechien bekommen reichlich Beifall für einen Duofolk in englischer Sprache, ihre YouTube-Videos laut Eigenwerbung so aufgenommen, dass der Eindruck entsteht, das Publikum befände sich mit der Band gemeinsam im selben Prager Wohnzimmer. Die Luxemburgerin Francis Of Delirium und ihre Mitstreiter bereichern das Angebot um "homemade rock from our hearts to yours". Es wird eine Wiederbegegnung mit bergen geben, der Band von Mario Cetti, Mitbegründer von K&F Records, Betreiber der Bookingagentur K&F Artists und also Mitveranstalter des The Sound Of Music Festivals. Neues Material von bergen liegt keins vor, zumindest nicht auf Tonträger. Zum Glück verlieren die ersten beiden Langspieler "Das Gegenteil von Stadt" und "Bärenmann" nichts von ihrer Faszination. 

Jungstötter folgt laut den freien Improvisationssongs seines Albums "Sustained" den Spuren Scott Walkers. Tinted House vertreten die internationale Community der sächsischen Elbmetropole, unter den Mitgliedern der Band um Sängerin Carina Hajek Amerikaner, Briten und originale Dresdner, namentlich Multiinstrumentalist Johannes Till sowie Keyboarder Ludwig Bauer von ehemals Polarkreis 18 beziehungsweise Woods Of Birnam; beide können auf Gastbeiträge zu Albumeinspielungen von Wayne Graham verweisen. 

Was haben wir noch? Das Paradies, die Band von Florian Sievers mit ihren herzerwärmenden Songs vom Sich-Anderen-Nicht-Aufdrängen. Oder Albrecht Schrader mit seinen kleinen, mal heiteren, mal schwermütigen Alltagsbeobachtungen. Als hätte er, vermerkt das Presseinfo des Schallplattenlabels, eine Art ritterlichen Ehrenkodex unterzeichnet, zielen seine sprachlichen Spitzen so fein, dass die Getroffenen sich im ersten Moment vielleicht sogar geschmeichelt fühlen. Wer die zwei, drei Testauftritte, die Adrian Artmann anlässlich seines Debütalbums "Durchzug" Anfang des Jahres gab, verpasst hat, kann das Versäumte beim The Sound Of Bronkow Music Festival 2026 nachholen. 

Und dann Katharina Kollmann oder Nichtseattle, wie sich die gebürtige Ostberlinerin nennt. Die Liebe ist auch schon auf ihren drei Vorgängeralben präsent gewesen, bei "Große Liebe" liegt der Fokus insbesondere darauf. Weshalb? Weil an dieser Stelle ihrer Biografie ein Thema von besonderer Relevanz? Katharina Kollmann hält es für sehr wahrscheinlich. Mit Anfang vierzig müsse sie feststellen, dass sich die Liebe im klassischen heterosexuellen Sinne mit Mutter, Vater, Kind für sie noch nicht ergeben hat, sinniert sie beim Interviewtermin. Stattdessen entdeckt sie unentwegt Alternativvarianten der Liebe, in einer angeregten Debatte, wie beschrieben in "Die wildeste Nacht", in der Frauenverbindung aus "Meine Ladies", in einem Laienchor, mit dem sie sich regelmäßig zum Proben trifft, vertreten das Sangeskollektiv auf "Große Liebe" in "Ich mit Brille". 

Erscheinen wird Nichtseattles jüngstes Album Ende September wie gehabt auf Staatsakt, beim The Sound Of Bronkow Music Festival 2026 setzt sie Sonntagabend den Schlusspunkt. Bereits für Samstag sind die Zoomies, Labelkollegen von ihr, angekündigt. Das Projekt des Leipzigers Maxim Tschernych sieht sich in der Tradition der amerikanischen Schrägfolker Ween. Songs des schlicht nach der Band benannten Debütalbums erinnerten "an die besten Platten von Harry Nilsson, die späten Beach Boys oder Todd Rundgren", schwärmt das Presseinfo des Schallplattenlabels. Das volle Programm wieder, kompetent zusammengestellt von Populärmusikliebhabern aus Überzeugung! 
Bernd Gürtler/TM 


The Sound Of Bronkow Music Festival im Netz 
Festivalwebsite | Facebook | Instagram 


The Sound Of Bronkow Music Festival 2026 
Freitag 4.9.
Digger Barnes (DE)
Das Paradies (DE)
Roomer (DE) 
Hachiku (AUS)
Zach Thompson (GB) 

Samstag 5.9. 
Jungstötter (DE)
Tinted House (DE)
Goblyns (ZA)
The Hobknobs (NL)
Zoon Phonanta (UK/DK)
Barbora Hora (CZ)
Johnny (ZA)
Zoomies (DE)
Escherlor (DE)

Sonntag 6.9. 
Nichtseattle (DE)
Francis Of Delirium (LUX)
Albrecht Schrader (DE)
Adrian Artmann (DE)
Bergen (DE)
Greedy Vultures (DE)

Nichtseattle/Foto: Sascha Schlegel
Zach Thompson/Foto: Niamh Quigley
Digger Barnes/Foto: Matthias Steffen
Jungstötter/Foto: Clemens Schmiedbauer
Albrecht Schrader/Foto: Tim Bruening
Zoomies/Foto: Alex Ostrovskis

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