War das Vorgängeralbum "The Overview" ein Ausflug ins Weltenall, induziert durch Berichte von einem Gefühl der Erhabenheit, das sich bei Raumfahrern einstellt, wenn sie die Erde das erste Mal aus dem Orbit betrachten können, markiert "Requiem For A Village" gewissermaßen Steven Wilsons Rückkehr auf den Heimatplaneten. Und weil die Großstadtmoderne zuletzt mit "The Future Bites" und "The Harmony Codex" ausgiebig beackert worden war, wendet sich sein Blick jetzt in jenen ländlichen Raum, wie exemplarisch vorgeführt von Roby Hardys Horrorfilmklassiker "The Wicker Man".
Ein Schwenk mit Symbolcharakter, wollte Steven Wilson doch weg von den raffinierten elektronischen Korrekturhelfern im Tonstudio, die zuverlässig jedes Missgeschick ausbügeln, weg von KI, obwohl die ihm neulich im Handumdrehen den Songtext zu "December Skies" zurechtgezaubert hatte, zurück zum Handgemachten wieder. Einschlägige Presseverlautbarungen verraten, Steven Wilson mühte sich sogar mit Oboe und Violine, die bislang beide nicht zu den von ihm kompetent beherrschten Instrumenten gehörten. Sein jüngstes Album wollte er in Angriff nehmen "with a sense of innocence and seeing where it took me. And where it took me was to the village." Dass es sich bei den genutzten Synthesizern um Analoggeräte von Moog & Co. handelt, versteht sich von selbst.
Beteiligt an der Albumeinspielung Langzeitmitstreiter und Multiinstrumentalist Randy McStine, Schlagzeuger Russell Holzman und Sängerin Katherine Priddy. Steven Wilsons Allzeitidol Andy Partridge von der britischen Rockformation XTC steuert einen Rezitativtext bei, der dem schottischen Schauspieler David Tennant zum Einsprechen anvertraut wurde. Erscheinen wird "Requiem For A Village" auf CD, Blu-ray, schwarzem und oxbloodfarbenem Doppelvinyl sowie als Boxset mit zwei CDs, Blu-ray und sechsundneunzigseitigem Hardcoverbuch.
Bernd Gürtler/TM
Steven Wilson
"Requiem For A Village"
(Fiction Records; 6.11.26)
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