|   Rezension

Jane Weaver

Flock

(Fire)

Der britischen Tageszeitung The Guardian gilt Jane Weaver als "mind-expanding delight". Wer wollte es verdenken! Die Tochter einer Büroangestellten und eines Chemiefacharbeiters aus dem nordenglischen Widnes, gestartet im Dunstkreis des Manchesteraner Schallplattenlabels Factory Records, ist ständig um die Erweiterung auch des eigenen Bewusstseinshorizonts bemüht. Durch unkonventionelle Inspirationsquellen, aus denen sie schöpft. Durch überraschende Gastmitstreiter, die sie einzubinden versteht. Durch ein psychedelisch eingefärbtes, vorläufiges Gesamtwerk, das keinen Stillstand kennt.

Musikalische Erweckungserlebnisse verdankt Jane Weaver neben Gong auch Hawkwind, deren "Star Cannibal" sie für "The Electric Mountain", einen Song ihres überaus gelungenen Albums "The Silver Globe" sampelte. Die beiden Vorgängeralben "The Fallen By Watchbird" und "The Watchbird Alluminate" entstanden unter dem Eindruck osteuropäischer Kinderfilme, moderner Kunstmärchen des deutschen Sprachraums und Gebrauchsmusik aus dem Fernsehfunk der siebziger Jahre; als Gäste das kurzlebige amerikanische Sixties-Schwesternduo Wendy & Bonnie, Gruff-Rhys-Mitglied Lisa Jen, Popstarlet Susan Christie aus Philadelphia sowie die bosnische Sängerin Behar. Ein jüngeres Album, veröffentlicht unter dem Künstlerpseudonym Fenella, war eine Neuinszenierung des Filmsoundtracks zur ungarischen Fantasyanimation "Fehérlófia". Parallel zur Einspielung jetzt von "Flock" wurden "Lebanese torch songs, 1980's Russian Aerobics records and Australian Punk" gehört, verrät das Presseinfo des Schallplattenlabels.

Bleibt abzuwarten, ob Jane Weaver sich die Eigenwilligkeit bewahren kann. Ihr elftes Studioalbum markiert auch ihr Coming Out als Popsongschreiberin, die möglicherweise nicht nur einem Nischenpublikum etwas mitteilen kann. Höchstens auf "Cherlokalate" sind die Songs eingängiger gewesen, aber noch nie dermaßen funky und obendrein versehen mit einer frohen Botschaft in ungemütlichen Zeiten. "Everyone is exhausted with social media, inequality and the toxic masculinity of world leaders contributing to a dying planet", wird die Künstlerin ebenfalls im Presseinfo zitiert. "Do you look at yourself and find nothing?", hallt es begleitend in "The Revolution Of Super Visions" wider. Und der Titelsong, eingeleitet von einer perlenden Pianomeditation, hört gar nicht mehr auf zu Jubeln. Wenn die Welt davon kein besserer Ort wird, was dann!
BG/TM

Video/Audio
"The Revolution Of Super Visions"
"Flock"


 

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