|   Rezension

Keb' Mo'

The Breakdown

(Concord/Universal)

Wenn hinter einer imposanten Karriere der Alltag wegbricht! Blueskoryphäe Keb' Mo' musste es erleben und war gezwungen, sich aufs Wesentliche zu besinnen. Nicht nur der Albumtitel zu "The Breakdown" ist das Ergebnis jenes dramatischen Einschnitts. 

Was war geschehen? Von rätselhaften Atembeschwerden geplagt, sucht Keb' Mo' ärztlichen Rat. Festgestellt wird eine schwerwiegende Herzerkrankung, die dringend eines operativen Eingriffs bedarf und intensive Rehabilitationsmaßnahmen nach sich zieht. Zwischenzeitlich ging eine Beziehung in die Binsen. Den Weg zurück ins Leben nach dem Zusammenbruch bahnt sich Keb' Mo' gewissermaßen heruntergebrochen auf das Nötigste. Abgesehen von Vokalbeiträgen des Soweto Gospel Choir beziehungsweise Take Six, benötigt der bald Fünfundsiebzigjährige kaum mehr als eine Akustikgitarre, um mit "The Breakdown" sein Schicksal auszubreiten. 

Nicht selten schlägt er den Bogen vom Privaten ins Gesellschaftliche. "Fussing And Fighting" thematisiert eigentlich unversöhnliche Meinungsverschiedenheiten in Paarverbindungen, will aber auch angemerkt wissen, dass, wenn schon der Interessenausgleich in der kleinsten Zelle scheitert, ein aufs Äußerste polarisiertes Gemeinwesen sein Dilemma erst recht nicht überwinden kann. 

Tief in der amerikanischen Südstaatenüberlieferung beginnt "They Don't Make 'Em Like They Used To" und streut dann den längst überfälligen Gedanken, dass die Rolle der Frauen im Wandel begriffen ist. Gut ausgebildet, werden sie gewiss nicht länger ihrem Göttergatten am heimischen Herd zu Diensten sein wollen. "We Make Love" schildert die Erwerbsarbeitswelt der Gegenwart, wo Arbeitgeber "paid vacations" versprechen, die nur allzu oft in die übliche Moloche münden. 

Wie selbstverständlich eröffnet der mehrfache Grammy-Gewinner dem Blues neue Perspektiven. Indem er die Stilistik nutzt, wofür ursprünglich gedacht, nämlich zum Geschichtenerzählen. Die Form ist Keb' Mo' weniger wichtig, obligatorische Bluesschemata bedient "The Breakdown" eher selten. 
Bernd Gürtler/TM 


Keb' Mo': “The Breakdown” (Concord/Universal; 21.08.26)


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