|   Rezension

Leenalchi

Sugungga

(Luaka Bop)

Südkorea hat wirklich nichts anderes als K-Pop anzubieten, dieses Retortenerzeugnis übelster Sorte, hergestellt in Bootcamps für Stars und Sternchen, die teils in sklavenähnlichen Abhängigkeiten gehalten werden? Doch, daneben gibt es aktuell zum Beispiel Leenalchi. 

Erinnert sich noch jemand an Jambinai, die vor knapp zehn Jahren drauf und dran gewesen sind, Südkoreas bedeutendster Populärmusikexport seit dem Sixties-Psychedelicrocker Shin Joong Hyun zu werden? Angeregt durch Black Sabbath, Metallica und Mogwai, verband die Trioformation aus Seoul überliefertes klassisches Instrumentarium mit dem Gestus angloamerikanischer Rockmusik. Leenalchi berufen sich auf die Tradition des Pansori, eines unter den Welterbeschutz der UNESCO gestellten Erzähltheaters, wo laut Wikipedia ein "Sänger weder ganz in die Figuren hineinschlüpft noch die Handlung vorspielt, sondern stattdessen die Erzählung im Austausch mit dem lebhaft reagierenden Trommler gestaltet, der gewissermaßen als erster Zuhörer fungiert." 

Die charakteristische Zweierbesetzung findet sich bei Leenalchi zum Septett erweitert. Gitarren bleiben außen vor, dafür gibt es zwei Bassisten, Schlagzeug und elektronisches Rhythmusgerät sowie Keyboards und vier Sänger. "Sugungga" beruht auf einer koreanischen Satire des achtzehnten Jahrhunderts um einen Drachenkönig und eine ihm treu ergebene Sumpfschildkröte, die im Auftrag ihres Herrn und Gebieters auf der Jagd nach einer Hasenleber allerlei Abenteuer zu bestehen hat. 

Das Presseinfo des Schallplattenlabels zitiert Brian Eno mit den Worten, Leenalchi "has changed the way I think about music and Korea. I have never heard anything quite like this". Die New York Times schwärmt, die jahrhundertealte Tradition des Pansori "gets a newer, funkier beat in the music of Leenalchi. Between high and low riffs from two basses and hovering synthesizer tones, three enthusiastic singers share rhythmic, venerable poetry." Und wer hat's mal wieder entdeckt? David Byrne, sein Schallplattenlabel Luaka Bop ist eine Fundgrube für Musik von wo anders her. 
Bernd Gürtler/TM


Leenalchi: “Sugungga” (Luaka Bop; 2.10.26)


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