Das eröffnende "My Life In England Pt. 1" rekapituliert Kindheitserlebnisse. Geboren im mittelenglischen Wednesfield als Sohn irischer Migranten und nach kurzer Rückkehr ins Herkunftsland der Eltern aufgewachsen im Großraum London, weiß Kevin Rowland noch genau, was der Sehnsuchtsort der Briten nach dem Zweiten Weltkrieg war, bevor die Beatles auf den Plan traten. Elvis Presley, Sonny Liston, Cassius Clay, die Kleidung, sämtliches sei auf Amerika orientiert gewesen, verrät er im Presseinfo des Schallplattenlabels. Präsent auch noch, wie er im Social Club miterlebt, dass die versammelte Besucherschaft "Kevin Barry" singt, eine offiziell verbotene Folkballade zu Ehren des Medizinstudenten und IRA-Kämpfers selbigen Namens, der wegen seines Eintretens für die Sache 1920 von der britischen Regierung hingerichtet wurde.
"You're Alright" ist ein das Herz berührender Brief an die Enkelkinder. "I Want To Be Holding You Next Christmas" entspringt wehmutsvollen Momenten einer Liebesbeziehung. "Once A Man, Twice A Child" berichtet von gemeinsam verbrachter Zeit mit einem Elternteil, dessen Leben sich dem Ende zuneigt. "Old Love" und "I'll Always Love You" erklären sich mehr oder weniger von selbst. Der nicht durchweg heitere Erzählfaden findet sein kontrapunktisches Gegenstück in der für die Dexys Midnight Runners so charakteristischen Mischung aus Northern Soul, Ska und Irish Folk. Posaunist Jim Paterson aus der Urbesetzung ist wieder mit von der Partie. Wie gehabt seit 2003 triezt Lucy Morgan die unvermeidliche Fiddle.
Bernd Gürtler/TM
Dexys Midnight Runners
"Love"
(Heavenly/PIAS; 4.9.26)
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