|   Rezension

LA Priest

Gene

(Domino)

Beim diesjährigen Gipfeltreffen der liebeswerten Sonderlinge bekäme LA Priest einstimmig den Vorsitz übertragen und müsste dennoch ablehnen. "I'm not trying to weird people out or be freaky for the sake of it. I'm trying to turn people on to some-thing that can be real for them, if they can accept its unusual form", erfuhr die britische Tageszeitung The Guardian und dass 'Earth Shaman' passender wäre. Aber spaziert er nicht mit einem gar seltsamen Spitzhut durchs Video zu "Beginning"? Oder zündelt gern wie weiland The God Of Hell Fire, Arthur Brown? Oder bastelt sich seinen Synthesizer selbst?!

Bürgerlich heißt LA Priest Samuel Eastgate, seinen ersten nennenswerten Beitrag zur angloamerikanischen Populärmusikgeschichte leistet der gebürtige Brite als Sänger und Multiinstrumentalist der Elektropunkband Late Of The Pier. Nach dem Tod von Schlagzeuger Ross Dawson 2015, wird auch die Band zur ewigen Ruhe gebettet.

Samuel Eastgate bereist die USA, Skandinavien sowie Island, sammelt in Grönland mit einem Diktiergerät Soundeindrücke der Landschaft und findet schließlich seinen kreativen Lebensmittelpunkt im ländlichen Wales. Aber weder "Inji", sein Albumdebüt als LA Priest noch der nach seinem Synthesizer Marke Eigenbau benannte Nachfolger "Gene" langweilen mit Folkgeschrammel. Der funky Sound erinnert eher an Prince der Ära um "Little Red Corvette" und mündet im weiteren Verlauf jeweils in einen farbenfrohen psychedelischen Klangkosmos. Könnte sich derselben Do-It-Yourself-Ästhetik verdanken, derer sich auch Laptopritter wie Pictish Trail, (Sandy) Alex G, Sorry oder Caribou befleißigen.
Bernd Gürtler/TM

Video/Musik
"What Moves"
"Beginning"
"Rubber Sky"

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