|   Rezension

Yorkston/Thorne/Khan

Navarasa: Nine Emotions

(Domino)

Kaum ist es amtlich gewesen, dass der Brexit jetzt kommt, stand erneut ein schottisches Unabhängigkeitsreferendum im Raum. Unter den Befürwortern von jeher der gebürtige Schotte James Yorkston. Denn was wird Großbritanniens Austritt aus der Europäischen Union dem Land bringen? Ewiges Glück oder Ausgrenzung und Abschottung? Keiner weiß es eben so ganz genau. Von daher sind Zweifel angebracht, ob kulturelle Brückenschläge wie im Trio mit Jon Thorne und Suhail Yusuf Khan in Zukunft noch möglich sein werden. "Navarasa: Nine Emotions" ist das dritte Album des Gespanns und ein bemerkenswerter Wurf.

Bei Interviewterminen erzählt James Yorkston die Geschichte auf Nachfrage immer gern. Wie er in Edinburgh Backstage auf einen Auftritt wartete, eigentlich überhaupt nicht auftreten wollte, weil eins seiner Kinder schwerkrank war und der indische Sarangi-Spieler Suhail Yusuf Khan eintrat um zu fragen, ob sie nicht zum Zeitvertreib ein bisschen jammen könnten. Wieso nicht, fand James Yorkston. Am Ende war sein Trübsinn verflogen, den Auftritt am Abend bestritt er gleich gemeinsam mit Suhail Yusuf Khan.

Zum Trio erweitert durch seinen Stammbassisten Jon Thorne, gingen sie das erste Mal für "Everything Sacred" gemeinsam ins Studio, ein zweites Mal für "Neuk Wight Delhi All-Stars". Jetzt bei "Navarasa: Nine Emotions" reagieren die Elemente bereits im fortgeschrittenen Stadium. Bestes Beispiel ist das a-cappella-Stück "Twa Bothers", wo Suhail Yusuf Khan in seiner fernöstlichen Tradition eine Human Beatbox gibt, während James Yorkston eine schottische Folkmelodie dazu singt. Einfach grandios, wirklich! Und der Hörer fragt sich einmal mehr verzweifelt, wenn Musiker ein kulturübergreifendes Miteinander hinkriegen, wieso dann der Rest der Menschheit nicht?
Bernd Gürtler/TM

Video/Musik
"Twa Brothers"
"Westlin’ Winds"
"The Shearing's Not For You"

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