|   Rezension

Various

Worldwide: 30 Years Of Real World Music

(Real World/PIAS/Rough Trade)

Peter Gabriel ist nicht der Einzige, der sich von Weltmusikeinflüssen inspirieren ließ, ging aber weiter als die meisten. Lediglich Stilanleihen zur Optimierung des eigenen, in seinem Fall von jeher garantiert ungewöhnlichen Rocksounds sind dem rastlosen Briten zu wenig gewesen. Mit dem WOMAD-Festival bietet er Weltmusikartisten seit Jahren ein Konzertforum ersten Ranges, mit Real World Records die Möglichkeit einer überregionalen Schallplatteneinspielung. Zum dreißigsten Gründungsjubiläum des Labels erschien ein Werkschaualbum.

Seinem Radioempfänger verdankt Peter Gabriel die erste Begegnung mit Weltmusik. Eine dänische Station, zufällig entdeckt bei der Sendersuche nach BBC4, hatte den Soundtrack zur südafrikanischen Spielfilmproduktion "Dingaka" aus dem Jahr 1964 im Programm. Die musikalischen Afrikareferenzen dort eher marginal, obwohl ein Südafrikaner schwarzer Hautfarbe im Mittelpunkt der Filmhandlung steht. Dennoch beeindruckend genug die Scheibe, dass sie im Gedächtnis blieb.

Afrikanische Elemente sollte Peter Gabriel selbst dann auch als erstes aufgreifen, 1980 bei "III" und gewiss nicht unwesentlich motiviert durch die damals national wie international an Breitenwirkung zulegende Antiapartheidbewegung. Besagtes Album schließt mit einer aufwühlenden Hymne an den südafrikanischen Bürgerrechtler Steve Biko, der an den Folgen seiner Gefängnishaft verstarb. WOMAD ging 1982 erstmals über die Bühne, Real World Records entstanden 1989. "Worldwide: 30 Years Of Real World Music" vereint alte Bekannte und jüngere Jahrgänge. Wie selbstverständlich stehen Nusrat Fateh Ali Khan, Papa Wemba oder Geoffrey Oryema aus Anfangstagen neben The Gloaming, Guo Yue und Yungchen Lhamo. Peter Gabriel selbst findet sich mit einem seiner Beiträge zum Allstarprojekt "Big Blue Ball" berücksichtigt. Die Labelintention ist unverändert dieselbe und wird wie zuvor auf dem Rücken einer jeden Real-World-Veröffentlichung durch die Farben des Weltmusikregenbogens kenntlich gemacht. Es geht darum, die Vielfalt der ganzen, der tatsächlichen Welt aufzuzeigen, den Blick über den begrenzten angloamerikanischen Populärmusikhorizont hinaus zu öffnen. Mag sein, dass das Internet etwas Derartiges inzwischen weitaus effizienter leistet. Trotzdem, der Gedanke zählt. Gerade heute, wo es bis in höchste Staatslenkerkreise zum guten Ton gehört, die Unterschiede, die der Vielfalt naturgemäß innewohnen zu nutzen, um Menschen gegeneinander auszuspielen.
BG/TM

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