|   Rezension

Van Morrison

The Prophet Speaks

(Caroline)

Erneut die Quartettbesetzung um Jazzkoryphäe Joey Defrancesco hinter sich, gibt Van Morrison eigene Stücke und Coversongs von John Lee Hooker oder Sam Cooke mit einer Freude zum Besten, die ziemlich genau seiner aktuellen Gemütsverfassung zu entsprechen scheint. Ein Journalistenkollege des britischen Mojo Magazines jedenfalls wunderte sich im Anschluss an einen Interviewtermin, wer den irischen Grantler gekidnappt und gegen diesen gutgelaunten Burschen ausgetauscht haben könnte, "who smiles, laughs, talks jazz and meditation with gusto, and thanks Mojo afterwards?"

Um die Überraschung komplett zu machen, posiert der Künstler für das Frontcoverfoto mit Archie Andrews, der Puppenspielfigur des Bauchredners Peter Brough aus dessen Comedyshow "Educating Archie" im BBC-Hörfunk der fünfziger Jahre. Höchstwahrscheinlich handelt es sich sogar im das Puppenoriginal aus dem Broughschen Nachlass, das 2006 zum stolzen Auktionspreis von 34.000£ den Besitzer wechselte. "Born To Sing: No Plan B" von 2012 enthielt bereits einen Song namens "Educating Archie". Der Songtext ist unbedingt zitierenswert. "You're a slave to the capitalist system/Which is ruled by the global elite/What happened to, the individual/What happened to, the working class white/They filled his head with so much propaganda/Entertainment on tv and all kinds of shite", zürnt es unter anderem. Ähnlich scharf formuliert war höchstens "The Great Deception", Van Morrisons Polemik auf den schnöden Ausverkauf der idealistischen Sixties und die "plastic revolutionaries [who] take the money and run." Um einiges erwartbarer geht "The Prophet Speaks" zu Ende. Mit "Spirit Will Provide" sowie dem finalen Titelsong kehrt ein Schwerpunktthema zurück, nämlich sein Streben nach spiritueller Erfüllung. Nach einem kurzen Flirt mit Scientology Anfang der Achtziger längst auch wieder auf den Grundfesten abendländisch christlicher Überzeugungen.
BG/TM