|   Rezension

The Claypool Lennon Delirium

South Of Reality

(ATO)

Schwierig, wenn Sohnemann den Familienbetrieb übernimmt. Zumal das Werk, das Papa mit den Beatles, später solo und teils im Verbund mit Mama geschaffen hat, schier überlebensgroß ist. Wie dagegen anstinken? Sean Ono Lennon, Sohn von Beatle John, wählt einen ähnlichen Weg wie Dhani Harrison, der Sohn von Beatle George. Songalben unter eigenem Namen erscheinen seltener, eher Soundtracks, Kollaborationen mit Kollegen oder sie suchen Unterschlupf in irgendeinem Bandverbund.

Den Ball flach halten, lautet die Devise. Was für Harrison Junior Thenewno2 sowie With Fistful Of Mercy gewesen sind, findet Sean Lennon bei Ghost Of A Saber Tooth Tiger oder eben The Claypool Lennon Delirium, einem auf Neopsychedelia spezialisierten Duoprojekt mit Les Claypool. Klar, die Stilistik ist ein alter Hut. Dass sich die Materialkomponenten dennoch immer wieder aufregend neu verbinden lassen, wird eindrucksvoll von den Flaming Lips bewiesen, vor denen sich Lennon/Claypool beileibe nicht verstecken müssen. Sämtliche Stücke auf "South Of Reality" sind weitaus mehr als ein lauwarmer Aufguss von "Strawberry Fields Forever" oder "I Am The Walrus". Anklänge an solche Beatles-Klassiker mögen vorhanden sein. Genauso erinnern Keyboardpassagen aber auch an die Genesis der "Selling England By The Pound"-Phase oder das Bassspiel an Yes zu Zeiten von "Fragile" oder "Close To The Edge". Eine überaus eigenständige, erfrischende Leistung jedenfalls und obendrein nicht zum reinen Selbstzweck. Es gibt eine Botschaft! "This album is the soundtrack to the demise of the world as we knew it", wird Sean Lennon im Pressetext der Schallplattenfirma zitiert. Der Eröffnungssong "Little Fishes", heißt es weiter, sei "a bittersweet lament to a purer time, pre-technology, pre-pollution." Und die Textzeile "You better be careful boys you just might, set the world on fire" versteht sich als Ermahnung an das amtierende Politikerpersonal, nicht aus reiner Blödheit den nächsten Weltenbrand zu entfachen. Von seinem Gesang ganz abgesehen, lässt Sean Lennon oft den verschmitzten Humor seines Vaters aufblitzen. Beispielweise zu Beginn von "Boriska" oder in den Vokalisen am Schluss von "Cricket Chronicles Revisited (Part I – Ask Your Doctor, Part II – Psyde Effects)" Man ist geneigt sich vorzustellen, wie Daddy von Cloud Nine über den Rand seiner Nickelbrille auf die Erde herabschmunzelt. Macht Spaß, zuzuhören!
BG/TM