|   Rezension

Steve Earle & The Dukes

Ghost Of West Virginia

(New West/PIAS/Rough Trade)

Ein sozusagen in die Verlängerung gegangenes Auftragswerk, das als Theaterprojekt seinen Anfang nahm und ein Bergwerksunglück 2010 in West Virginia aufarbeitet, bei dem neunundzwanzig Bergleute starben. Entwickelt aus Interviews mit Hinterbliebenen und überlebenden Kollegen der zu Tode gekommen Kohlekumpel, enthielt das Bühnendrama mehrere Songs von Steve Earle, eigens für das Stück geschrieben und von ihm selbst im Rahmen der Aufführung solo vorgetragen. Sieben seiner Songs zuzüglich drei weiterer, wurden in den New Yorker Electric Lady Studios für "Ghost Of West Virginia" neu eingespielt.

Bergarbeiter, das Thema wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Zu Unrecht, in den traditionellen Kohlerevieren von Virginia oder Kentucky, durfte der fossile Energieträger jüngst sogar eine Renaissance erleben. Donald Trump hatte es im Wahlkampf versprochen, nach wie vor liegen seine Zustimmungswerte in der Region deutlich über dem Durchschnitt.

Aber bloß weil der durchtriebene Populist es vermochte, die amerikanische Gesellschaft gründlich zu entzweien, darf seine Anhängerschaft nicht auf der Strecke bleiben. "I thought that, given the way things are now, it was maybe my responsibility to make a record that spoke to and for people who didn’t vote the way that I did", wird Steve Earle auf der Website seines Schallplattenlabels zitiert. Es gelte, Brücken zu schlagen, anstatt die Gräben zu vertiefen, sagt er. "One of the dangers that we’re in is if people like me keep thinking that everybody who voted for Trump is a racist or an asshole, then we’re fucked, because it’s simply not true. So this is one move toward something that might take a generation to change. I wanted to do something where that dialogue could begin."

Wahrscheinlich ist "Ghost Of West Virginia" deshalb traditioneller geworden. Ein Rootsrock, weniger farbenfroh als das psychedelische "Transcendental Blues", aber mindestens ebenso engagiert wie "Jerusalem", sein Konzeptalbum über den 'American Taliban' John Walker Lindt.
Bernd Gürtler/TM

Video/Musik
"Devil Put The Coal In The Ground"
"John Henry Was A Steel Drivin’ Man"
"It's About Blood"
 

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