|   Rezension

Sinkane

Dépauysé

(CitySlang)

Ein Weltbürger, der es sich nicht aussuchen konnte, jedoch das Beste daraus macht. Familiär im Sudan verwurzelt, praktiziert Ahmed Gallab mit seiner Band Sinkane einen Panafrikanismus der Vielfalt. Manchmal erinnert der Sound an Fela Kutis Afrobeat, dann wieder an den Funk eines Sly Stone, um sich im nächsten Moment Bob Marleys Reggae überzustreifen. Der Grundgedanke ist jeweils derselbe, nämlich dass der Künstler sich durch die Musik Klarheit über seinen Platz in der Welt verschaffen will. Mit "Dépauysé" scheinen Fortschritte gemacht.

Geboren 1983 in London als Sohn eines Diplomatenehepaars, verbringt Ahmed Gallab seine Kindheit in der sudanesischen Heimat, bis Umar al-Baschir durch einen Militärputsch an die Macht gelangt und die Familie aus Furcht vor Repressalien in die USA emigriert. Dort, in New York um genau zu sein, liegt weiterhin sein Lebensmittelpunkt, verknüpft mit dem Empfinden, nie richtig angekommen zu sein. Für einen Moslem schwarzer Hautfarbe wenig überraschend, zumal seit Donald Trump wenige Tage nach seinem Amtsantritt gegen Menschen aus, wie er es nannte, "Shithole Countries" seinen berüchtigten "Muslim Bann" verhängte und ausdrücklich den Sudan einbezogen wissen wollte. Seither ist nichts besser geworden. Fake News, rassistische Übergriffe der Polizei und ein Rechtsruck der amerikanischen Öffentlichkeit generell beherrschen die Agenda. Wer bin ich, wo gehöre ich hin? Das sind Fragen, die sich unter solchen Umständen mit Nachdruck stellen. Während der Einspielung des jüngsten Sinkane-Albums, ließ Ahmed Gallab die Schallplattenfirma via Pressetext mitteilen, habe er Unmengen gelesen und sei dabei auf einen Begriff gestoßen, der hervorragend auf sein Selbstverständnis passt und sich sogar als Albumtitel anbot. "Dépauysé" bedeutet im Französischen so viel wie "verunsichert", "fremd", "sich aus der gewohnten Umgebung herausgerissen fühlen“. Seine Musik hält dem nicht nur den Facettenreichtum afrikanischer Musikkultur entgegen, sondern bedient sich darüber hinaus bei Krautrock, Psychedelia oder Elektroeinflüssen. Ein ebensolcher Vielvölkerbund seine Band. Gitarrist Jonny Lam kommt aus China, Schlagzeuger Chris St. Hilaire aus Trinidad, Keyboarderin Elenna Canlas von den Philippinen, Bassist Michael Montgomery ist Afroamerikaner. An die Singleauskopplung "Ya Sudan" knüpft sich die Hoffnung, sie möge zum Soundtrack der Demokratiebewegung werden, die seit Absetzung der Militärregierung für eine Zivilgesellschaft streitet. Neben Sinkane arbeitet Ahmed Gallab als Studiomusiker unter anderem für Caribou, Of Montreal sowie Eleanor Friedberger. Unterstützt von David Byrne, Damon Albarn und Money Mark von den Beastie Boys, brachte er mit der Atomic Bomb! Band die Songs seines Afrikaidols William Onyeabor sowohl auf Tonträger als auch auf die Konzertbühne.

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