|   Rezension

Ryley Walker

Course In Fable

(Husky Pants/Cargo)

Bei Alltagsverrichtungen ein Durchschnittsjedermann, leicht zu übersehen in der Warteschlange an der Supermarktkasse, im Frühstücksdiner an der Ecke. Aber wehe, wenn er sich seine Gitarre greift! Dann wird das Instrument zu "more than an extension of his body, it’s an extension of his imagination", wie das amerikanische Webmagazin Consequence Of Sound anlässlich des Albumzweitlings "Primrose Green" schwärmte. Sechs Jahre später legt "Curse In Fable" die Vermutung nahe, dass seine Imaginationsgabe grenzenlos sein muss. Die Gitarre wie gewöhnlich streng in den Dienst der Songs gestellt.

Denn das ist Ryley Walker in erster Line, ein Folksongschreiber, das herausragende Gitarrenspiel eher ein Beiprodukt. Geboren in Rockford, Illinois, verschlägt es ihn 2006 siebzehnjährig zum Studium ins achtzig Meilen südöstlich gelegene Chicago. Den Vorlesungen am Columbia College und später an der University Of Illinois bleibt er fern, sucht stattdessen Anschluss an die lokale Undergroundgemeinde, damals ein Sammelbecken für Progressiverockenthusiasten, Jazzbegeisterte und Elektrotüftler. Die Bands der Stunde heißen Gastr del Sol, Tortoise oder Isotope 217 und erschließen populärmusikalisches Neuland.

Das färbt ab, zumal bei seinen Vorbildern und Einflüssen. Ryley Walker selbst nennt Tim Buckley und Pentangle, den Amerikaner und die britische Formation, die Ende der sechziger Jahre als Erste Folk mit Jazzelementen verbanden. Beide bleiben angefangen vom Debütalbum "All Kinds Of You" über längere Zeit treue Ideengeber.

Eine wichtige Inspiration jetzt für "Curse In Fable" sind Genesis gewesen, verrät das Presseinfo des Schallplattenlabels. Wobei die frühen Genesis gemeint sein dürften, noch mit Peter Gabriel als Sänger und dort weniger das archaische "Nursery Crime" als vielmehr ihr sonnigeres "Selling England By The Pound"; wie zur Bestätigung überließ Ryley Walker dem in Chicago ansässigen Webmagazin Pitchfork einen Fotoschnappschuss, der ihn zeigt, wie er stolz die VHS-Kassette "Genesis – A History" in die Kamera hält. Die vertrackten Rhythmusbreaks, die komplexen Gitarrenstrukturen, die quasisinfonischen Arrangements von "Striking Down Your Big Premiere", "A Lenticular Slap" oder "Clad With Bunk" in jedem Fall aber eine gekonnte Weiterverarbeitung jeglicher Vorbildprägungen und ein angemessener Rahmen für Songtexte, deren kryptische Bedeutung höchstwahrscheinlich nur der Künstler persönlich zu entschlüsseln wüsste. Absoluter Songüberflieger seines sechsten regulären Studioalbums ist "Pond Scum Ocean", wegen der frickeligen Schlagzeugloops, ein Beitrag des Albumproduzenten John McEntire sicherlich.
BG/TM

Video/Musik
"Rang Dizzy"
"Axis Bent"