|   Rezension

Pixies

Beneath The Eyrie

(Infectious/BMG)

Was, wenn die Pixies nicht gewesen wären. Die ungemeine Spannbreite ihres Dynamikmodells diente Heerscharen von Nachfolgebands als Blaupause. Grungerocker Kurt Cobain gab offen zu, woran sich sein Megahit "Smells Like Teen Spirit" orientiert. "Nevermind", das Nirvana-Album, das den Song beinhaltet, wurde von der Library Of Congress in Washington DC für wichtig genug erachtet, es in die National Recording Registry einzugliedern, eine Sammlung der "culturally, historically or aesthetically important sound recordings." Und die Pixies? Gingen ab 1993 getrennte Wege. "Beneath The Eyrie" ist das dritte Album der 2003 reformierten Besetzung.

In Sachen Selbsterwähnungsbusiness sind die Pixies zu wahrer Meisterschaft gelangt. Sie wissen um die immense Bedeutung sozialer Medien und bestücken die Kanäle nach Kräften. Mit skurrilen Videoclips zu den beiden Vorabsongs "Graveyard Hill" und "Catfish Kate". Mit einer Podcastserie, die Einblick in den Entstehungsprozess des neuen Albums gewährt.

Von dort und aus anderen Nachrichtenquellen sind im Vorfeld jede Menge wissenswerte Details an die Öffentlichkeit gedrungen. Dass der Albumtitel diesmal keine Songtextzeile zitiert, sondern zurückgeht auf einen Adlerhorst am Dreamland Recording Studio unweit von Woodstock, New York, einer ehemaligen Kirche, wo "Beneath The Eyrie" entstanden ist. Dass es thematisch nicht um alttestamentarische Gewaltphantasien geht wie auf "Come On Pilgrim", "Surfer Rosa" oder "Doolittle". Nicht um Weltraumreisen und Ufos wie auf "Bossanova" oder "Tromp Le Monde". "Catfish Kate" recycelt eine Gutenachtgeschichte, die Sänger Frank Black seinen Kindern erzählt hat und selbst als Kind erzählt bekam. "St. Nazaire" sollte ursprünglich von einem Angriff der alliierten Streitkräfte auf eine U-Boot-Basis der Nazis im Zweiten Weltkrieg handeln, wurde aber umgeschrieben in eine Unterwasserbegegnung mit schottischen Fabelwesen, die der Gattung der Silkies angehören. Und sich die Hand reichen könnten mit Donna aus "Graveyard Hill", die des Nachts auf dem Friedhof ihrem Hexenzauber nachgeht.

"Long Rider" und "Los Surfers Muertos", zwei Beiträge von Paz Lenchantin, die von Kim Deal den Bass übernommen hat, erinnern an eine befreundete Surferin, die bei einem gefährlichen Wellenritt vor der Küste Kaliforniens zu Tode kam. "This Is My Fate" bezieht sich auf Frank Blacks phasenweise allzu leidenschaftliche Alkoholneigung. Wie gewöhnlich sind die Zornesausbrüche punkig kraftvoll, die Balladen allerdings balladesker und auch akustischer. Eine gewisse Abgeklärtheit macht sich breit. Dennoch, der eine oder andere Song hat das Zeug, den Pixies den Singlehit zu bescheren, der ihnen 1988 mit "Gigantic" leider nicht vergönnt war. Wie auch, viel zu frivol der Song.
Bernd Gürtler/TM

Videos
"Graveyard Hill"
"Catfish Kate"
 

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