|   Rezension

Nérija

Blume

(Domino)

Man muss unweigerlich an Frank Zappas Livedoppelalbum "Roxy & Elsewhere" denken, das eins seiner berühmtesten Bonmots für die Ewigkeit festhält. "Jazz is not dead, it just smells funny", kalauert er bei einer Zwischenmoderation. Bestätigung kommt aktuell aus London, wo der regelmäßig todgesagte Jazz gerade ein Revival erlebt, das überhaupt nicht streng riecht, sondern im Gegenteil Wellen schlägt, dass das britische Mojo Magazine von einer "UK Jazz Explosion" schwärmt. Nérija gehören zu den Bands der Stunde. Einer hochgelobten Debüt-EP folgt jetzt das erste Vollelängealbum.

Möglich wurde es durch veränderte und anfangs als kontraproduktiv empfundene Rahmenbedingungen für das Londoner Gastrogewerbe. Bars und Kneipen, die am Wochenende akustische Jazzduos auftreten ließen, sollten 2004 plötzlich eine zusätzliche Livemusiklizenz erwerben. Viele dachten gar nicht daran, so dass die Musiker nach anderen Spielorten Ausschau hielten und dort auf ein anderes, zumeist jüngeres Publikum trafen, das eher unterhalten werden wollte, anstatt mit Kennermine zu fachsimpeln. Bezeichnenderweise stellt das Presseinfo zu Nérija allem anderen voran, dass die Mitglieder des Septetts Freunde sind. Geboren aus einem Kollektivgedanken der Sound von Nubya Garcia (Tenorsaxophon), Sheila Maurice-Grey (Trompete), Cassie Kinoshi (Altsaxophon), Rosie Turton (Posaune), Shirley Tetteh (Gitarre), Lizy Exell (Schlagzeug) und Rio Kai (Bass). Erst weiter hinten findet Erwähnung, dass sie irgendwie von Arthur Russell oder Duke Ellington beeinflusst sind. Erfahrene Jazzhörer dürften sicher weitere Vergleichsgrößen entdecken. Rockhörer, die nicht erst seit gestern über diesen Globus trotten, werden sich vielleicht eher an Alexis Korner und seine kurzen Jazzausflüge mit CCS erinnern. Mal schauen, was da noch kommt.
BG/TM

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