|   Rezension

Laibach

The Sound Of Music

(Mute)

"The Sound Of Music" heißt ein Broadway-Musical des amerikanischen Autorengespanns Richard Rogers und Oscar Hammerstein. Als Grundlage dienten die Memoiren der österreichischen Offizierswitwe Maria Augusta Trapp, die mit Ehemann Georg Ludwig von Trapp, einem hoch dekorierten Korvettenkapitän des Ersten Weltkriegs und den sieben Kindern 1938 aus dem heimatlichen Salzburg in die USA emigriert war und die sangesfreudigen Sprösslinge zu einem weithin bekannten Chor aufbauen konnte.

Sowohl das Musical als auch eine Hollywood-Verfilmung aus den Sechzigern zeichnen ein die historischen Fakten und geographischen Gegebenheiten der Originalschauplätze gelegentlich ignorierendes alpenländisches Edelweißklischee, das Österreicher in der Regel peinlich berührt zurücklässt. Das Publikum in den Vereinigten Staaten und anderswo auf der Welt begeistert sich umso mehr. Bis nach Nordkorea drang die Kunde, so dass Laibach sich anlässlich ihres Konzertauftritts 2015 in Pjöngjang zur Aufführung von Musicalauszügen entschlossen. Ob der Zuhörerschaft, mehr noch den staatlichen Zensurbehörden bewusst war, dass die Familie Trapp wegen Hitler, sprich vor einer heraufziehenden Diktatur aus Österreich floh? Nicht uninteressant auch die Frage, ob das slowenische Künstlerkollektiv, ausgesprochen bewandert in der Kunstästhetik totalitärer Gesellschaftsformen, vielleicht doch einen Funken Wahrheit in dem verkitschten Vorlagenmaterial erkennt und somit Zusammenhänge zum jüngsten österreichischen Rechtsruck herstellen möchte? Ein Indiz wäre, dass ihre Version meistenteils auch einfach schön klingt, nur manchmal eben der entmenschte Grunzgesang von Sänger Milan Fras in die Idylle einbricht.
BG/TM