|   Rezension

James Yorkston

The Wide, Wide River

(Domino)

Wohl dem, der Vorsorge trifft für schlechte Zeiten. Gerade Musiker bringen beste Voraussetzungen mit, sofern sie ihrer Bestimmung folgen und spielen, spielen, spielen. James Yorkston darf als mustergültiges Beispiel gelten. Jetzt, in Zeiten von Corona, da Studiotermine in Bandbesetzung schwierig und Reiseaktivitäten nahezu unmöglich geworden sind, kann der gebürtige Schotte ein herrliches Bandalbum vorlegen, eingespielt mit schwedischen Musikerfreunden. "The Wide, Wide River" entstand 2019 direkt im Anschluss an seine Europatournee zum Albumvorgänger "The Road To The Harmonium" in Stockholm.

Die beiden Scheiben gehören zu ein und demselben Paar Schuhe, der linke das Gegenstück zum rechten und umgekehrt. War das sorgsam abgewogene, wunderbar arrangierte "The Road To The Harmonium" mehr oder weniger im Alleingang in James Yorkstons Home Recording Studio im schottischen Cellardyke entstanden, lebt "The Wide, Wide River" von der Interaktion mit der schwedischen Folkformation The Second Hand Orchestra. Kaum zu überhören eine unbändige Spielfreude, wie sie sich immer dann einstellt, wenn die richtigen Mitstreiter aufeinandertreffen.

Gegenseitig auf dem Schirm hatten sie sich schon länger. SHO-Chef Karl-Jonas Winqvist bewunderte James Yorkston seit seinen Anfangstagen als Mitglied in King Creosotos Fence Collective. Wiederum nennt James Yorkston SHO-Mitglied Cecilia Österholm als diejenige, die ihm die Nyckelharpa nahebrachte. Begegnet sind sich beide Parteien über die Jahre auf diversen Festivals, unter anderem im Thüringischen Rudolstadt. Begonnen hatten die zweitätigen Sessions mit "We Test The Beams", dem finalen Song des Albums, von dem sich Pianistin Emma Nordenstam zu Tränen gerührt fühlte, immerhin lauten die ersten beiden Textzeilen "All of my friends/Are solitary creatures". Das albumeröffnende "Ella Mary Leather", lässt James Yorkston im Presseinfo des Schallplattenlabels ausrichten, sei kein Song über die britische Folkforscherin. Er nutze den Namen lediglich "as a mask, to protect the innocent".
BG/TM

Video/Musik
"Ella Mary Leather"
"There Is No Upside"
"Struggle"