|   Rezension

The Flaming Lips

King's Mouth

(Bella Union/PIAS)

Ein Vierfachalbum mit denselben Songs auf jeder Scheibe. Oder genauer gesagt mit jeweils einer von vier Tonspuren, aus denen die Songs insgesamt bestehen. Wer die Stücke als Ganzes hören möchte, muss die vier Tonträger zeitgleich auf vier verschiedenen Audiogeräten abspielen. Völlig abwegig? Absolut und doch wahr geworden 1997 bei "Zaireeka" von den Flaming Lips. Logisch, dass den Psychedelicpunks aus Oklahoma City mitunter die Orientierung abhandenkommt im Dickicht ihrer skurrilen Einfälle. Bislang aber fand sich noch immer ein Ausweg. Was 1999 mit "The Soft Bulletin" gelang, wiederholt sich gerade.

Das fünfzehnte Studioalbum der sechsunddreißigjährigen Bandgeschichte hält eine ausgewogene Balance zwischen Experiment und Eingängigkeit, komplexen Strukturen und Melodien von einer Schönheit wie sie der britischen Progressive-Rock-Formation Genesis seit "Selling England By The Pound" nicht mehr vergönnt gewesen sind. Selbstverständlich verlangt die phantasievolle Klangwunderwelt nach einer passenden Geschichte.

Entsprechend berichtet "King's Mouth", mit Mick Jones von The Clash als Erzähler vom Leben und Sterben eines imaginären, bei seinem Volk allseits beliebten Monarchen. Sein Kopf von derart kolossaler Übergröße, dass ganze Galaxien und Wettersysteme darin Platz finden, wird nach seinem Tod vom Rumpf getrennt, in ein Stahlbad tauchen, so dass das Körperteil im Anschluss als begehbare Skulptur und offenbar eine Art Hoffnungsspender aufgestellt werden kann. "Inside the king’s mouth/ They entered into the hope of a future that has yet to be lived/Raining down dream upon dream/With love from above", heißt es an einer Songtextstelle. Ursprünglich konzipiert gewissermaßen als Ambient Music für eine Kunstausstellung mit Objekten von Flaming-Lips-Chefdenker Wayne Coyne, erschien "King's Mouth" bereits zum Record Store Day 2019 auf goldfarbenem Vinyl. Einzuordnen ist die Scheibe zwischen den unmittelbaren Albumvorgängern "The Terror" und "Oczy Mlody" sowie "With a Little Help from My Friends", einer Komplettcoverversion vom "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" der Beatles. Unter anderem mit Countryaufreger Miley Cyrus als Gastsängerin. Als Begleitband bestreiten die Flaming Lips eine gemeinsame Tour mit ihr, als Cyrus & Her Dead Petz entsteht ein gemeinsames Streaming-Only-Album. Auch so eine Verrücktheit der Amerikaner.
BG/TM

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