|   Rezension

Elvis Costello

Look Now

(Concord)

Elvis Costello ist jemand, der die Herausforderung sucht und anstatt sich zu wiederholen, eher vom New Yorker Gitarrenjazzmeister Marc Ribot begleiten lässt, mit dem Brodsky String Quartet aufspielt oder Philadelphias berühmte HipHop-Verbindung The Roots als Interimsmitstreiter verpflichtet. Ähnlich "Imperial Bedroom", seinem Album von 1982, wo der Facettenreichtum seinen Anfang nahm, nachdem der Triorock der Anfangsjahre zurückgestellt und begonnen worden war, Songs öfter am Klavier als auf der Gitarre zu komponieren, geht es jetzt wieder geradewegs hinein in die Diversität.

"Don't Look Now", "Photographs Can Lie" und "He's Given Me Things" sind Überhänge aus einer Kooperation mit Songschreibergenie Burt Bacharach 1998 bei "Painted From Memory". Aus seiner ersten Begleitformation The Attractions erneut mit von der Partie Keyboarder Steve Naive und Schlagzeuger Pete Thomas, die als The Imposters firmieren würden, hätte ein weiteres Bandalbum angestanden. Was unüberhörbar nicht der Fall war. Elvis Costello bemüht einen opulenten Orchesterapparat, der bereits bei den beatleesken Blechbläserschwärmereien im eröffnenden "Under Lime" zu Hochform aufläuft. Oder später, wenn das aus einer Schreibklausur mit Carole King hervorgegangene, von einem Gospelchor beseelte "Burnt Sugar Is So Bitter" ordentlich ins Grooven kommt. Während der Arbeiten an "Look Now" wurde überraschend eine Krebserkrankung bei Elvis Costello diagnostiziert, die sich glücklicherweise als therapierbar erwies, so dass dieser grandiosen Scheibe hier wohl noch einige weitere nachfolgen werden.
BG/TM