|   Rezension

Deerhoof

Future Teenage Cave Artists

(Joyful Noise/Cargo)

Sollte die Menschheit demnächst vollends ins Verderben stürzen, geschuldet den Versäumnissen der "older generation in power that would rather see life on Earth destroyed than give up archaic systems of capital", wie es im Presseinfo des Schallplattenlabels heißt, dann steigen die Future Teenage Cave Artists aus ihren Höhlen und formen die Trümmer des Alten zu etwas Neuem. Soweit das vom Album entworfene Szenario. Ob es die Spezies aus dem Albumtitel besser machen wird als wir? Bringt sie dem Planeten nur halb so viel Empathie entgegen wie die Musik von Deerhoof spektakulär ist, besteht Hoffnung.

Chefdenker des in San Francisco beheimateten Quartetts ist Greg Saunier, Absolvent des renommierten Oberlin Conservatory Of Music in Oberlin, Ohio und vom US-Musikmagazin Rolling Stone neben Brian Chippendale und Zach Hill als einer der "trailblazing 21st-century avant-rock percussionists" gehandelt.

Mit "Future Teenage Cave Artists" erscheint Deerhoofs fünfzehntes Studioalbum seit 1997. Der extrem fragmentierte, unfassbar genreübergreifende, irrsinnig schräge Charakter der Stücke, spiegelt den unsteten Zeitgeist, der als einzige Gewissheit bereithält, dass es garantiert keine Gewissheiten gibt. Nach einer apokalyptischen ersten Hälfte mit "Sympathy For The Baby Boo", "New Orphan Asylum For Spirited Deerchildren" sowie "Zazeet" als Höhepunkt, gewinnt im Anschluss an das nach Joseph Haydns "Sinfonie Nr. 45" benannte "Farewell Symphony" ein versöhnlicher Grundton die Oberhand. Mag die Lage aussichtlos sein, Bange machen gilt nicht, verkündet das Pianofinale "I Call On Thee".

Nein, Rock ist keineswegs tot und riecht noch nicht mal streng, wenn sich Deerhoof seiner annehmen. Frank Zappa und Captain Beefheart winken wohlwollend von ihrer Wolke herab, David Thomas von Pere Ubu springt ihnen aus dem Diesseits bei.
Bernd Gürtler/TM

Video/Musik
"Sympathy for the Baby Boo"
"New Orphan Asylum for Spirited Deerchildren"
"Zazeet"